Kurztrips

Amalfiküste

Vor ein paar Jahren fragte ich einen Kollegen, der alle Urlaubsgebiete kennt und schon Reisefotograf war, als Reisefotografie ausschliesslich in Printmedien stattfand: Was ist denn dein persönlich bevorzugtes Urlaubsgebiet?

Er sagte, das gebe es nicht. Überall, wo er hinkomme, finde er etwas Neues, Interessantes und Schönes vor. Das verstehe ich ja, insistierte ich. Aber nehmen wir mal an, du planst einen Urlaub für dich selber und denkst nicht ans Arbeiten. Wo würdest du dann noch einmal hinfahren, obwohl du es ja schon kennst? Zugegeben, eine schwierige Frage an einen Profi. Aber er hat geantwortet: Na ja, das wäre vielleicht die Amalfiküste.

Wo sonst gibt es das? Du steigst mittags in den Flieger, und abends blickst du mit einem Sundowner von der Terrasse deiner Ferienwohnung auf das gigantische Abendlicht über dem Meer. Die Amalfiküste gilt als eines der schönsten Urlaubsgebiete überhaupt und liegt so zu sagen vor der Haustür.

Die Amalfiküste ist der Küstenabschnitt zwischen Neapel und Salerno in der süditalienischen Region Kampanien. Die steile Felsenküste erlaubt nur kleine Städte und Dörfer, enge Ortsdurchfahrten und überhaupt nur langsames Fahren. Diese Gegend sollte man meiden, wenn man es eilig hat. „Das musst du gesehen haben“ passt hier nicht. Dies ist ein Platz für Geniesser von Zeit, die den herrlichen Ausblick auf das Tyrrhenische Meer zu schätzen wissen, die tiefblaue See, die schroffen Felsen, den mediterranen Flair kleiner Häfen, schmaler Strände und zahlloser Cafes, Bars und Trattorias – von der Pizzeria bis zum Sterne-Restaurant. Die Amalfiküste ist so spektakulär schön, dass die UNESCO sie als mediterrane Landschaft schlechthin als Welterbe unter Schutz gestellt hat.

Der Tourismus ist hier die Haupteinnahmequelle. Es gibt aber auch noch den ursprünglichen Anbau von Wein „Costa d’Amalfi“ und von Zitronen. Die Sorte Femminello sfusato, die in kleinflächigen Terrassen angebaut wird, ist hier zu Hause. Die Schalen dieser Zitronen werden für die Produktion des beliebten Limoncello verwendet. Hier wachsen auch Aprikosen und die einzigartigen Tomaten der Sorte San Marzano, die wirklich nach Tomaten schmecken.

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Von Neapel kommend, bildet das ehemalige Fischerstädtchen Positano den Einsteig in die Region. Der Ort wird als die „Perle der Amalfiküste“ bezeichnet. John Steinbeck, Pablo Picasso, Tennessee Williams, Elizabeth Taylor und Richard Burton sollen süchtig nach ihm gewesen sein. Positano ist von schmalen Gassen und steilen Treppen durchzogen und wirkt, als ob es am Berg klebt. Der historische Ortskern liegt unterhalb der Amalfitana, der Küstenstrasse. Gemütliches Spazierengehen ist hier weniger angesagt, Treppensteigen schon eher auf der Suche nach neuen Aus- und Einblicken. Das muss man aber nicht. Wer etwa im 5-Sterne-Hotel „Il San Pietro“ wohnt, benutzt den Aufzug für die 88 Meter Höhenunterschied zum Strand. Oder man ergibt sich der sanften Kraft des Ortes und seinem eigentlichen Wesen: Dem Nichtstun. John Steinbeck schrieb 1953 in Harpers Bazaar: „Positano geht unter die Haut. Es wirkt nicht real, wenn du dort bist, und es wird verlockend real, wenn du gegangen bist“. Mit seinem Artikel machte er den Ort weltberühmt.

Das auf einem Felsen gelegene Grand Hotel
Tritone in Praiano an der Amalfiküste

Wenn du gehen und doch wiederkommen willst, machst du vielleicht einen Tagesausflug mit dem Boot auf die nahegelegene Insel Capri. Dort verspricht der Besuch der blauen Grotte einen Nervenkitzel.

Am mittleren Teil des Küstenabschnitts am Golf von Salerno liegt die Kleinstadt Amalfi. Mit ihren gut 5000 Einwohnern ist sie eine der grösseren Städte an der Costiera Amalfitana. Sehenswert sind unter anderem der dreischiffige Dom aus dem 10. Jahrhundert und die alte Schiffswerft.

Zwei Plätze, eine Hauptstrasse, sieben Kirchen, ein Dom, ein kleiner Hafen, viele weisse Häuser, die sich übereinander am Hang drängen, und Gassen und Treppen, die alles miteinander verbinden. Amalfi gehörte im Mittelalter zu den vier grossen Seerepubliken, die den Handel mit dem Morgenland beherrschten. Kaum vorstellbar, dass damals 50.000 Menschen in der Stadt lebten. Im 12. Jahrhundert war auch schon alles vorbei. Die konkurrierende Stadt Pisa zog den Handel an sich, Erdrutsche und Überschwemmungen dezimierten das Land. Erst die Küstenstrasse brachte im 20. Jahrhundert wieder Leben: Händler, Künstler und Urlaubssuchende entdeckten den Ort.

Die Amalfitana, die Küstenstrasse, ist eine Traumstrasse, deren in den Felsen gehauene Streckenführung jeder Eile den Sinn nimmt. Zwischen Himmel und Meer bietet sie über eine Länge von fast 40 km immer wieder den Blick über den Golf von Salerno. Dabei ist sie an einigen Stellen auch so eng, dass man bei Gegenverkehr, vor allem bei der Begegnung mit einem der zahlreichen Busse, einfach warten muss. An Überholen ist nicht zu denken. Die Strasse zu befahren braucht seine Zeit.

Vom Capo D’Orso, dem Bärenkap, an der östlichen Amalfitana, hat man einen grossartigen Blick über den Golf von Salerno, auf die Küste Amalfis und die Sorrentinische Halbinsel bis nach Capri. Etwas weiter östlich kommt man nach Cetara. In den malerischen Fischerdorf hat man sich auf den Fang und die Verarbeitung von Sardellen, Makrelen, Sardinen und anderen pesce azurro spezialisiert. Fünf Restaurants bieten fangfrische Tagesgerichte an.

Das Keramikstädtchen Vietri sul Mare bildet das Ende der Amalfitana. Mit 10.000 Einwohnern ist es das grösste Zentrum an der Costiera. Das Keramikhandwerk soll auf die Etrusker zurückgehen, die den Ort gründeten. Töpfereien, Geschäfte, Restaurants, Cafes, Hotels, Badestrände, Aussichtspunkte – hier gibt es alles, einschiesslich der umfassenden Gelegenheit zum Shoppen von Sourvenirs.

Auf der Rückfahrt nach Neapel würden wir einen Besuch an den Ausgrabungsstätten von Pompeji empfehlen mit einem Blick auf den Vesuv, dessen Schlacke über die Jahrtausende die Amalfiküste zu dem fruchtbaren Gebiet gemacht hat, das es heute ist. So gesehen hat auch der Limoncello vulkanischen Ursprung.

Reisebestimmungen:

  • Personalausweis
  • EU-Führerschein

Es gilt Reisefreiheit nach dem Schengener Abkommen. Kontrollen bei der Einreise sind also die Ausnahme.

Mit dem eigenen Auto ist es ein ziemlicher Ritt von Deutschland. Alternativ mit dem Flieger von verschiedenen deutschen Flughäfen nonstop nach Neapel. Dann weiter mit einem Mietwagen.

Reisetipps für Selbstfahrer:

Oder doch lieber ohne Auto?

Kleine Reisegruppe *

Mit der Bahn:
Amalfi hat keinen Bahnanschluss. Nächstgelegene Bahnhöfe sind Sorrent mit einer S-Bahnartigen Verbindung nach Neapel über Castellamare. Pompeji und Salerno sind mit überregionalen Fernzügen erreichbar. Die Weiterfahrt nach Amalfi erfolgt per Bus oder Schiff.

Mit dem Bus:
Amalfi wird von Bussen der SITA von Sorrent und von Salerno angefahren. Von Salerno aus fahren die Busse 75 Minuten. Ein Tagesticket ermöglicht Hin- und Rückfahrt sowie mehrfachen Ein- und Ausstieg. Nach Sorrent beträgt die Fahrtzeit 100 Minuten. Busse fahren von ca. 6 bis 22 Uhr in etwa einstündigem Abstand.

Amalfi liegt an der SS 163 „Amalfitana“, eine der spektakulärsten Küstenstraßen Europas. Die Strasse ist eng, kurvenreich und chronisch verstopft. Fahrzeiten sind kaum kalkulierbar, man sollte in jedem Fall genügend Zeit einplanen.

Parken in Amalfi ist schwierig. Es gibt ein teures öffentliches Parkhaus und einige Parkplätze auf der stets überfüllten Piazza Flavio Gioia.

Reiseführer:

Bildbände:

Nach der Reise: Das beste Foto als

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