Fotowissen

Bildoptimierung

Optimierung und nachträgliche Effektanalyse von Fotos, die an sich schon gut sind und denen vielleicht noch der letzte Schliff fehlt.

Schön wäre es ja, wenn Fotos gleich bei der Aufnahme so ausfallen, dass man sie gar nicht mehr verbessern will. Hinweise dazu, wie das gelingen kann, findest du in den Artikeln Belichtung, Schärfe und Bildgestaltung. Aber nicht immer sind die Lichtverhältnisse ideal, der Standort lässt nur wenig Variationsmöglichkeiten bei der Aufnahme zu, der Himmel ist zu hell, und manchmal möchte man den Ausschnitt etwas anders wählen. Dafür ist die Bildoptimierung da.

Wir haben hier die einzelnen Schritte anhand von ACDSee beschrieben. ACDSee hat den Vorteil, dass es kostengünstig, lokal speicherbar, schnell und leistungsfähig ist und die Möglichkeit bietet, Korrekturen zurück zu nehmen. Wer lieber mit anderen Programmen arbeitet, der wird unsere Arbeitsweise und Tipps recht einfach übertragen können. Manche Programme, vor allem die kostenlosen Varianten, können möglicherweise nicht alle hier beschriebenen Schritte ausführen, andere, vor allem Photoshop, sind mit Funktionen regelrecht überladen. Die richtige Wahl des Programms ist hilfreich und zeitsparend.

Wir wollen hier nicht die Funktionsweise bestimmter Bildbeareitungsprogramme erläutern – dafür sind Manuals und entsprechende Bücher da – sondern sinnvolle Möglichkeiten der nachträglichen Effektanalyse.

ACDSee gibt es in mehreren Varianten. Die hier beschriebenen Schritte zur Bildoptimierung können sowohl auf ACDSee Pro als auch auf ACDSee Ultimate ausgeführt werden.

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Im Folgenden gehen wir die einzelnen Schritte in der sinnvollen Reihenfolge durch. Bitte beachte aber: Die Werkzeuge sollten in homöopathischer Dosierung verwendet werden. Weniger ist oft mehr. Ein Tipp aus der Praxis: Wenn man der Meinung ist, dass man das Bild richtig eingestellt hat, dann den Regler ein kleines bisschen zurück nehmen. Hinterher kann man immer noch Änderungen vornehmen, und im direkten Vergleich mit anderen Bildern sieht man die Sache objektiver.

  1. Bilder organisieren. Zunächst bitte die Bilddateien nummerieren und sichern. Eine einfache und effektive Vorgehensweise dazu haben wir unter Datensicherung für Fotografen beschrieben. Bitte diesen ersten Schritt nicht überspringen – es wäre zu ärgerlich, wenn du deine Rohdaten verlieren würdest! Denn sie sind dazu da, auch nach der Bearbeitung noch einmal überprüfen zu können, ob man den besten Weg gegangen ist. Wenn nicht, dann hat man immer wieder eine Chance, es besser zu machen.
  2. Bilder nummerieren. Lade alle Bilder in den Ordner für den Bildeingang, also in „foto-in“. Öffne ACDSee und führe folgende Schritte aus:
    1. Stelle ACDSee so ein, dass es beim Start sofort den Ordner „foto-in“ ansteuert. Wähle dazu den Verwaltungsmodus und dann: Extras – Optionen – Verwaltungsmodus – Startordner.
    2. Gehe zum Ordner „foto-in“
    3. Wähle der Reiter „Sortieren“ und sortiere nach Aufnahmedatum.
    4. Markiere alle Bilder mit Strg+A
    5. Wähle: Stapelverarbeitung – Umbenennen – Vorlage
    6. und im Auswahlfeld: Vorlage: „AB#“ (wähle als Buchstaben statt AB z. B. Deine Initialen)
    7. wähle: „# durch Zahlen ersetzen“
    8. Fester Wert: „1900001“ (die 19 steht für das Jahr und am Ende die 1 als erste laufende Nummer
    9. Starte die Umbenennung.
    10. Jetzt die Bilder speichern und sichern wie im Artikel „Datensicherung“ beschrieben.
  3. Bildauswahl. Kopien der besten Bilder kommen in einen Bildbearbeitungs-Ordner. In dem Artikel zur Datensicherung haben wir ihn „edit“ genannt. Wenn es dir schwerfällt, mit einem Blick die besten Bilder zu erkennen und auszusortieren, dann mache eine eher grosszügige Auswahl und grenze sie später ein.
  4. Entwickeln. Du hast nun die Wahl, die Bilder mit dem Modus „Entwickeln“ oder „Bearbeiten“ einzeln zu optimieren. Mit „Enter“ wird das Bild gross, mit Esc kommst zu zurück zum Verwaltungsmodus. Im Entwickler-Modus hast du die Möglichkeit, auch nach dem Speichern noch jeden einzelnen Schritt der Bearbeitung zu verändern oder rückgängig zu machen, ohne die Qualität des Bildes zu beeinträchtigen. Man nennt das „verlustfreies“ Arbeiten. Entwickeln ist die richtige Wahl. Klicke auf das erste zu bearbeitende Bild und dann auf „Entwickeln“. Es öffnen sich links die Werkzeuge.
  5. Weissabgleich. Im Hauptmenü „Einstellen“ wäre der Weissabgleich der erste Schritt. Nur wenn nötig bitte! Klicke mit dem Kursor auf ein neutralgraues Feld. Danach kannst du von Hand die Farbtemperatur und den Farbton mit den Schiebereglern oder den Zahlen-Verstellern weiter verfeinern. Vorsicht damit – eine Abendstimmung im rötlichen Licht der untergehenden Sonne sieht nicht mehr nach Abend aus, wenn sie per automatischem Weissabgleich neutralisiert wird.
  6. Gradationskurven: Hier zeigt das Histogramm, ob und inwieweit die Farben vollständig wiedergegeben werden. Keine Angst vor der Auto-Taste. Probiere es aus. Mit einem Klick auf den „Kreisverkehr“ (im Feld „Gradationskurven“ oben rechts) nimmst du die Einstellung zurück, und du kannst immer über „Abbrechen“ ganz aus dem Programmteil raus. Es gibt auch die Möglichkeit, „Auto“ zu wählen und anschliessend die Mitteltöne anzupassen. Standard bei den Mitteltönen ist immer die „1“. Eine Grobanpassung genügt erst einmal. Die Feinabstimmung kommt noch.
  7. Light-EQ. Das ist die Feinabstimmung. Stelle die Farbband-Anzahl auf „7“. Hier kannst du einzelne Bereiche, die heller oder dunkler sind, weiter aufhellen oder abdunkeln. Die oberen Regler hellen auf, die unteren dunkeln ab. Gehe jetzt mit der Maus auf das Bild und über die Stelle am Himmel, die zu hell ist. Bei den Farbreglern zeigen dir jetzt feine gelbe Linien, welche Regler für den angezeigten Bereich des Himmels in Frage kommen. Schiebe den Abdunkeln-Regler versuchsweise runter und suche die beste Stellung. Dann veränderst du den benachbarten Regler. Dies ist ein grossartiges Werkzeug, um technisch richtig eingestellte Bilder dem optischen Eindruck unserer Augen anzupassen. Fantastische Effekte sind möglich. Und wenn es um realistische Darstellung geht, gilt wie immer: Weniger ist mehr!
  8. Allgemein. Diese Regler sind der Standard, den wir von allen Bildprogrammen kennen. Und ich vermute einmal: Wir brauchen sie nicht mehr. Etwas Besonderes sind allerdings die beiden unteren Regler: Dunstfilter und Klarheit. Der Dunstfilter ist tatsächlich in der Lage, leichten Dunst zu durchdringen. Die Farben werden präsenter, das Bild rückt insgesamt näher. Es lohnt sich, mit dem Dunstfilter zu experimentieren. Selbst bei klarem Wetter ist hier eine dezente Optimierung möglich. Der Filter „Klarheit“ verbessert den optischen Schärfeeindruck, vor allem in der Ferne. Gleichzeitig hebt er die kühleren Farben hervor. Ich teste ihn bei Landschafts- und Städtefotos generell an, oft unterstützt er ein Bild mit dem nötigen Quentchen Detailreichtum, das es aus der Masse hervorhebt.
  9. Detail: Jetzt zum Hauptmenü „Detail“. Hier finden sich Korrekturen verschiedener Fehler, die individuell ausgetestet werden sollten. Zur Scharfzeichnung hier ein Standard-Vorschlag: Wert=40, Radius=2, Maskieren=5, Detail=50, Schwellenwert=6. Diese Werte ergeben eine sichtbare, aber nicht rabiate Schärfung. Meist reicht das aus. Ein wirklich unscharfes Bild kann auch durch eine noch so optimierte Schärfung nicht gerettet werden.
  10. Geometrie: Das Hauptmenü „Geometrie“ bietet vor allem eins: Graderücken und den Bildausschnitt festlegen. Ein Klick aufs Bild macht Ränder und Hilfslinien sichtbar. Zunächst sollte der Horizont überprüft werden. Das Scrollrad der Maus dreht das Bild, die Hilfslinien ermöglichen millimetergenaues Einstellen. Beim Festlegen des Bildausschnitts ist die 9-Felder-Aufteilung hilfreich. Hier können noch einmal die Lage der bildwichtigen Motive überprüft und ev. nach der Drittel-Regel oder dem goldenen Schnitt ausgerichtet werden, indem Ränder verschoben werden. Auch die Entscheidung, ein gänzlich anderes Bildformat zu wählen, etwa ein Panorama oder ein Quadrat, wird auf diese Weise unterstützt.

Stapelverarbeitung: Hast du auf diese Weise ein Bild optimiert, dann kannst du dem Programm sagen, dass es ähnliche Fotos vom selben Motiv per Stapel-Entwicklung in derselben Weise automatisch bearbeiten soll:

Gehe per Esc zurück in den Verwaltungsmodus und markiere alle Fotos desselben Motivs, die ähnlich bearbeitet werden können. Wähle dann oben in der Befehlszeile die Stapel-Verarbeitung. Im Pulldown-Menü wird die Stapel-Entwicklung angeboten. Die
Entwicklungsschritte des letzten Bildes sind automatisch gespeichert. Lasse also die Stapel-Entwicklung über die ausgewählten Bilder laufen und geniesse die Arbeitserleichterung. Es werden danach noch Feinjustierungen nötig sein. Aber das Gute am Entwickler-Modus ist ja, dass alles auch nach dem Speichern immer noch verändert werden kann.

Übersicht über die Themen zur Bildqualität:

Bessere Fotos

ACDSee bietet professionelle Bildorganisation und Bildbearbeitung mit Stapelfunktionen und IPTC-Editor. Wir arbeiten mir der Pro-Version:

ACDSee Professional 2019 *

Wer ausserdem mit unterschiedlichen Ebenen arbeiten will und grafische Möglichkeiten braucht, ist mit der Ultimate-Version gut beraten:

ACDSee Ultimate 2019 *

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