Fotowissen

Bildverwaltung und -optimierung

Die nachträgliche Effektanalyse gibt guten Fotos den letzten Schliff

Klarere Bildaussage durch Bildoptimierung

Die Nachbearbeitung der Fotos ist ein komplexer Prozess, der ebenso erlernt werden will, wie die Fotografie selbst. Wir können hier Bücher und Schulungen nicht ersetzen und beschreiben daher nur die notwendigsten Schritte der Bildoptimierung. Diese sind allerdings wirklich hilfreich.

Als Programm, mit dem wir diese Schritte demonstrieren wollen, haben wir uns für ACDSee Photostudio pro entschieden. ACDSee ist ein leistungefähiges und kostengünstiges Programm, das Bildverwaltung, Datenbank und Bildbearbeitung verbindet und lokal speicherbar ist. Man kauft es einmal und nutzt es immer. Es ist also keine Abo-Lösung mit monatlichen Kosten und hat den Vorteil, dass es schnell und einigermassen übersichtlich ist, fast alle RAW-Dateien kennt und die Möglichkeit bietet, Korrekturen zurück zu nehmen. Wer lieber mit anderen Programmen arbeitet, der wird unsere Arbeitsweise und Tipps recht einfach übertragen können. Manche Programme, vor allem die kostenlosen Varianten, können möglicherweise nicht alle hier beschriebenen Schritte ausführen. Andere, vor allem Photoshop, sind mit Funktionen regelrecht überladen. Die richtige Wahl des Programms hilft Zeit sparen.

Wir wollen hier die allgemein meist benötigten Möglichkeiten der Korrektur von Bildfehlern und der nachträglichen Effektanalyse beschreiben.

Im Folgenden gehen wir die einzelnen Schritte in der sinnvollen Reihenfolge durch.

Die wichtisgsten Schritte der Bildbearbeitung

  1. Bilder organisieren: Zunächst den Verwaltung-Modus wählen und die Bilddateien nummerieren und sichern. Eine einfache und effektive Vorgehensweise dazu haben wir unter Datensicherung für Fotografen beschrieben. Bitte diesen ersten Schritt nicht überspringen – es wäre zu ärgerlich, wenn du deine Originale, deine Rohdaten, verlieren würdest! Denn sie sind dazu da, auch bei völlig verkorksten Bearbeitungen ggfs. von vorne anfangen zu können. Die Originale sollten also immer einen einmaligen Dateinamen haben und unangetastet bleiben.
  2. Bilder nummerieren: Lade alle Bilder in den Ordner für den Bildeingang, also in „foto-in“ oder „IN“. Öffne ACDSee und führe folgende Schritte aus:
    1. Stelle ACDSee so ein, dass es beim Start sofort den Ordner „foto-in“ ansteuert. Wähle dazu den Verwaltungsmodus und dann: Extras – Optionen – Verwaltungsmodus – Startordner.
    2. Gehe zum Ordner „foto-in“
    3. Wähle der Reiter „Sortieren“ und sortiere nach Aufnahmedatum.
    4. Markiere alle Bilder mit Strg+A
    5. Wähle: Stapelverarbeitung – Umbenennen – Vorlage
    6. und im Auswahlfeld: Vorlage: „AB#“ (wähle als Buchstaben statt AB z. B. deine Initialen)
    7. wähle: „# durch Zahlen ersetzen“
    8. Fester Wert: „210001“ (die 21 steht für das Jahr und am Ende die 1 als erste laufende Nummer
    9. Starte die Umbenennung.
    10. Jetzt die Bilder speichern und sichern wie im Artikel „Datensicherung“ beschrieben.
  3. Bildauswahl: Markiere die Bilder Deiner Wahl. Wenn es dir schwerfällt, mit einem Blick die besten Bilder zu erkennen und auszusortieren, dann mache eine eher grosszügige Auswahl und grenze sie später ein.
  4. Arbeitskopien: Mit dem kostenlosen Programm „Adobe DNG Konverter“ erstellst Du Arbeits-Kopien der Bilder direkt in einen Bildbearbeitungs-Ordner. In dem Artikel zur Datensicherung haben wir ihn „edit“ genannt. DNG Dateien lassen sich schneller bearbeiten als RAW Dateien und können verlustfrei gespeichert werden. Die RAW Originaldateien bleiben unangetastet. Sie sollten nur noch für ganz spezielle Aufgaben angefasst werden. Du machst in diesem Ordner deine Bildauswahl indem du alle DNGs löschst, die du aussortieren willst.
  5. Entwickeln: Du hast nun die Wahl, die DNG-Bilder mit dem Modus „Entwickeln“ oder „Bearbeiten“ einzeln zu optimieren. Der Entwickler-Modus ermöglicht verlustfreies Arbeiten und ist unsere erste Wahl. Jeder einzelne Arbeitsschritt kann rückgängig gemacht werden, auch nach dem Speichern, ohne die Qualität des Bildes zu beeinträchtigen. Klicke auf das erste zu bearbeitende Bild und dann auf „Entwickeln“. Es öffnen sich links die Werkzeuge.
  6. Weissabgleich: Es geht los mit dem Reiter „Einstellen“. Im Hauptmenü wäre der Weissabgleich der erste Schritt. Den Weissabgleich nur benutzen, wenn nötig! Klicke mit dem Kursor auf ein neutralgraues oder weisses Feld, um den automatischen Abgleich zu erhalten. Danach kannst du von Hand die Farbtemperatur und den Farbton mit den Schiebereglern oder den Zahlen-Verstellern weiter verfeinern. Vorsicht damit – eine Abendstimmung im rötlichen Licht der untergehenden Sonne sieht nicht mehr nach Abend aus, wenn sie per automatischem Weissabgleich neutralisiert wird.
  7. Gradationskurven: Hier zeigt das Histogramm, ob und inwieweit die Spektren vollständig wiedergegeben werden. Keine Angst vor der Auto-Taste. Probiere es aus. Mit einem Klick auf den „Kreisverkehr“ (im Feld „Gradationskurven“ oben rechts) nimmst du die Einstellung zurück, und du kannst immer über „Abbrechen“ ganz aus dem Programmteil raus.
  8. Light-EQ: Das ist die wahrscheinlich wichtigste Helligkeits- und Kontrastabstimmung für alle Bilder. Stelle den Modus auf „Erweitert“. Hier kannst du einzelne Bereiche, die heller oder dunkler sind, weiter aufhellen oder abdunkeln. Gehe jetzt mit der Maus auf das Bild und über die Stelle am Himmel, die zu hell ist. Linke Maustaste und Maus nach oben ziehen hellt auf, strg-Taste und ziehen der Maus nach unten dunkelt ab. In der grafischen Abbildung werden die Veränderungen angezeigt. Dies ist ein grossartiges Werkzeug, um die Fotos dem optischen Eindruck unserer Augen anzupassen. Fantastische Effekte sind möglich. Aber Achtung: Wenn es um realistische Darstellung geht, gilt wie immer: Weniger ist mehr!
  9. Allgemein: Die hier aufgeführten Regler sind der Standard, den wohl alle Bildprogrammen beherrschen. Hilfreich sind vor allem die beiden unteren Regler: Dunstfilter und Klarheit. Der Dunstfilter ist tatsächlich in der Lage, leichten Dunst zu durchdringen. Die Farben werden präsenter, das Bild rückt insgesamt näher. Es lohnt sich, mit dem Dunstfilter zu experimentieren. Selbst bei klarem Wetter ist hier eine dezente Optimierung möglich. Der Filter „Klarheit“ verbessert den optischen Schärfeeindruck, vor allem in der Ferne. Gleichzeitig hebt er die kühleren Farben hervor. Ich teste ihn bei Landschafts- und Städtefotos generell an, oft unterstützt er ein Bild mit dem nötigen Quentchen Detailreichtum, das es aus der Masse hervorhebt.
  10. Detail: Jetzt zum Hauptmenü „Detail“. Hier finden sich Korrekturen verschiedener Fehler, die individuell ausgetestet werden sollten. Zur Scharfzeichnung hier ein Vorschlag für die Ausgangs-Einstellung bei Fotos, die eine Schärfeoptimierung vertragen können: Wert=40, Radius=2, Maskieren=15, Detail=50, Schwellenwert=8. Diese Werte ergeben eine sichtbare, aber nicht rabiate Schärfung. Ein wirklich unscharfes Bild kann auch durch eine noch so starke Schärfung nicht gerettet werden. Probiere verschiedene Schärfegrade aus. Auch hier gilt: nur wenn nötig.
  11. Geometrie: Das Hauptmenü „Geometrie“ bietet zunächst eine Linsenkorrektur an. Die ist hilfreich, um Geometrie-Fehler des Objektivs auszugleichen (gewölbter Horizont, u.a.). Dann „Drehen und Begradigen“. Ein Klick aufs Bild macht Ränder und Hilfslinien sichtbar. Zunächst sollte der Horizont überprüft werden. Das Scrollrad der Maus dreht das Bild, die Hilfslinien ermöglichen millimetergenaues Einstellen. Beim Festlegen des Bildausschnitts ist die 9-Felder-Aufteilung hilfreich. Hier können noch einmal die Lage der bildwichtigen Motive überprüft und ev. nach der Drittel-Regel oder dem goldenen Schnitt ausgerichtet werden, indem Ränder verschoben werden und das Bild auf diese Weise beschnitten wird. Auch die Entscheidung, ein gänzlich anderes Bildformat zu wählen, etwa ein Panorama oder ein Quadrat, kann hier umgesetzt werden. Das Untermenü „Perspektive“ ist hilfreich beim Entzerren stürzender Linien. Ausserdem gibt es die Möglichkeit zum Ausgleich von Vignettierungen.
  12. Stapel-Entwicklung: Hast du auf diese Weise ein Bild optimiert, dann kannst du dem Programm sagen, dass es ähnliche Fotos vom selben Motiv per Stapel-Entwicklung in derselben Weise automatisch bearbeiten soll. Gehe per Esc zurück in den Verwaltungsmodus und markiere alle Fotos desselben Motivs, die ähnlich bearbeitet werden können. Wähle dann oben in der Befehlszeile die Stapel-Verarbeitung. Im Pulldown-Menü wird die Stapel-Entwicklung angeboten. Die Entwicklungsschritte des letzten Bildes sind automatisch gespeichert und werden auf alle markierten Bilder angewendet. Lasse also die Stapel-Entwicklung über die ausgewählten Bilder laufen und geniesse die Arbeitserleichterung. Es werden danach noch Feinjustierungen nötig sein. Aber das Gute am Entwickler-Modus ist ja, dass alles auch nach dem Speichern immer noch verändert werden kann.
  13. Speichern: Die DNGs werden bei jedem Arbeitsschritt mit dem „Fertig“-Button gespeichert. Für das Speichern in das komprimierte jpeg-Format kann die Stapelbearbeitung gewählt werden. Die Wahl des Kompressionsverfahrens (meistens jpg, 90 %) und das Speichern in einen bestimmten Zielordner (z. B. „out“) kann für spätere Bildbearbeitungen als Voreinstellung abgelegt werden.
  14. Fotos für’s Web: Wer Fotos für das Internet oder zum Versand per Email braucht, kann eine zweite Stapelverarbeitung mit entsprechender Bildverkleinerung und Umbenennung einrichten und damit die Bilder in Web-Grösse in einem zweiten Zielordner abspeichern.

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ACDSee pro bietet professionelle Bildbearbeitung und -organisation mit Stapelfunktionen. Die Software kauft man einmal und nutzt sie dauerhaft.

Wer ausserdem mit mehreren Ebenen und grafischen Funktionen arbeiten will braucht die Ultimate-Version. Ich empfehle, die direkt von der Seite des Herstellers zu kaufen:

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