Fotowissen

Der Mond

Der Vollmond ist eigentlich immer ein Motiv, auch wenn der Blutmond oder eine Mondfinsternis natürlich noch spannender ist. Und der Halbmond zeigt noch mehr Details.

Ganz ehrlich? Wenn man auf so seltene Ereignisse wartet, kommt man wohl kaum zum Fotografieren. Man stellt höchste Ansprüche an das Motiv, wartet Jahre auf den richtigen Zeitpunkt – und dann spielt das Wetter nicht mit.

Da ist es schon besser, aus Situationen, die man häufiger erlebt, das Beste zu machen. Jeder Vollmond ist ein Foto! Dazu gehört etwas Vorbereitung, die du schon eine oder zwei Wochen vorher erledigen kannst. Und dann klappt das auch. Wir fotografieren hier nur den Mond selber. Wenn du die Landschaft mit einfangen willst, sieh dir den Artikel „Landschaft im Mondlicht“ an.

Hier ein 4-Punkte-Plan, wie du sicher gute Mondfotos machst.

  1. Zeit und Ort

Du brauchst freie, klare Sicht. Kein Hochhaus, Baukran oder auch nur ein Baum darf dir im Weg stehen. Dazu musst du wissen, wann der nächste Vollmond ist und wo er auf- und untergeht. Die Mondphasen und die Zeiten von Auf- und Untergang des Mondes findest du in der Lokalzeitung oder im Internet. Sehr hilfreich ist die Webseite timeanddate.

Rechne damit, dass Wolken über den Himmel ziehen und der Mond nicht zu jedem Zeitpunkt sichtbar ist. Im Idealfall kannst du dein Stativ auf dem Balkon oder der Terrasse aufbauen. Wenn da aber keine freie Sicht auf die Bahn des Mondes ist, gehe einige Tage vor Vollmond los und suche dir einen geeigneten Platz.

Ein Tipp dazu: In der Nähe von Städten oder grossflächig beleuchteten Industrieanlagen reflektieren die mikrofeinen Wassertröpfchen in der Luft das Licht vom Boden und sorgen für trübe oder kontrastarme Sicht. Das ist der Grund, warum Teleskope in Lichtschutzgebieten oder auf Bergen liegen. Diese Anforderungen gelten zwar nicht für den Mond, suche dir aber doch eine Gegend ohne viel Umgebungslicht und setze die Gegenlichtblende auf das Objektiv.

2. Technik

Die Krux mit den Mondfotos ist, dass man die eigene Technik wie im Schlaf beherrschen muss. Genauer gesagt: Du musst im Dunkeln mit Kamera und Stativ zurechtkommen. Das setzt etwas Erfahrung voraus. Unsere Empfehlung ist daher, schon einen oder zwei Tage vor dem Vollmond einen Probelauf zu machen.

Ohne Stativ wird das nichts. Du brauchst eine windgeschützte Stelle, um Vibrationen zu vermeiden. Auch Bodenvibrationen von einer stark befahrenen Strasse oder der U-Bahn kannst du nicht gebrauchen. Stelle das Stativ zunächst im Hellen auf. Es muss fest stehen, die Beine müssen arretiert oder eingerastet sein. Fahre die Beine nach Möglichkeit nicht ganz aus, höchstens bis zur Hälfte. Vielleicht hast du einen Falthocker, den du mitnehmen kannst. Dann kommt die Kamera auf das Stativ. Sie muss sicher befestigt sein, aber doch so, dass sie mit wenigen Handgriffen ausgerichtet werden kann, ohne das Stativ selbst zu verstellen. Probiere es aus, mach ein paar Aufnahmen noch bei Tageslicht und später bei Nacht. Korrigiere deinen Aufbau, bis alles passt.

3. Die Einstellung der Kamera

  • Nur ein Tele-Objektiv bildet den Mond gross ab. Mit 200 mm (bezogen auf KB) geht es schon los. 400 mm sind besser, 600 mm sind noch besser.
  • Als Belichtungseinstellung wählst du die manuelle Belichtungssteuerung. Diese Werte fest einstellen: ISO 200, Blende 8, 1/250 sek. Falls deine Kamera eine niedrigere ISO Einstellung erlaubt, wähle ISO 100 und entsprechend die Blende 5,6 bei 1/250 sek. Bei klarem Himmel, vertsteht sich. Wolken verdunkeln den Mond, selbst wenn sie ihn nicht ganz verdecken.
  • Das Aufnahmeformat ist RAW, um keine Qualitität zu verschenken
  • Schalte den Bildstabilisator (Image Stabilizer) aus. IS = OFF. Mit seinem schwimmenden Bildausschnitt würde der bei Stativaufnahmen eher zu Unschärfen als zur Verbesserung beitragen.
  • Benutze möglichst einen Fernauslöser oder einen Kabelauslöser.
  • Bei DSLR-Kameras: Die Spiegelvorauslösung aktivieren.

Die Scharfeinstellung erfordert einige Sorgfalt. Brennweiten dieser Länge reagieren extrem empfindlich auf ungenaue Entfernungseinstellung. Wird der Fokusring auch nur um einen halben Millimeter verstellt, dann führt das unweigerlich zu unscharfen Fotos. Du hast zwei Möglichkeiten:

  1. Mit Autofokus in der Bildmitte den Mond scharf stellen. Dann den Autofokus abschalten, also auf manuellen Fokus (MF) gehen und die Fokus Einstellung behalten. Falls der Mond mehr seitlich positioniert werden soll, muss die Kamera nach dem Fokussieren noch ausgerichtet werden. Die Stativarretierung am Kugelkopf lösen, die Kamera ruhig drehen und wieder feststellen, dabei nicht mehr den Fokusring berühren! Wenn der Fokusring doch berührt wird: Das Ganze wiederholen.
  2. Manuell. Schalte den Autofokus ab und fokussiere nach Sicht. Benutze die Hilfsmittel, die die Kamera dir dazu bietet. Oft ist das eine Lupe, die im Sucher erscheint. Falls ein Enfernungsanzeiger eingeblendet wird, stelle ihn knapp vor den Anfang der roten Markierung. Nicht auf fokussieren! „Unendlich“ ist eine Einstellung, die bei den meisten Teleobjektiven für langwelliges infrarotes Licht gedacht ist und die bei allen anderen Fotos zu Unschärfen führt.

Du kannst auch den Mond in der Bildmitte lassen und später bei der Bildbeareitung den gewünschten Ausschnitt wählen. Das ist einfacher und kann sich anbieten, wenn man in Zeitdruck kommt. Das spätere Croppen kostet allerdings wertvolle Pixel und geht also zu Lasten der Auflösung und der Schärfe.

4. Die Aufnahme

Lege einen frischen Akku in die Kamera ein. Nimm dir Zeit für die Vorbereitungen. Wenn der Mond dann sichtbar ist, ist er erstaunlich schnell! Mache im Abstand von jeweils einigen Sekunden ein Dutzend Fotos, und wenn du alles im Kasten hast, fokussiere nach, führe die Kamera nach und machs noch einmal. Und dann noch einmal. Die Belichtung ist nicht die Herausforderung, das ist vielmehr die Schärfe. Gib Vibrationen keine Chance! Sogar Luftbewegungen können schon ausreichen, die Bildkonturen weich werden zu lassen.

Und dann: Geschafft! Die Optimierung ist eine Sache für die Nachbearbeitung. Dann packst du alles, was unscharf ist, in die Tonne und wählst nur die wirklich scharfen Fotos aus.

Oft kommt es aber anders als man das geplant hat. Du steckst zum besten Zeitpunkt im Verkehr fest, oder es sind einfach Wolken vor dem Mond. Du kannst notfalls am nächsten Tag noch mal losgehen. Das ist dann nicht mehr der wirklich volle Mond, und man sieht am Rand den Unterschied, auch wenn er gering ist. Mach es trotzdem! Ein schönes Foto entsteht allemal.

Der Clou ist aber, wenn du die weiteren Fotos erst einige Tage nach Vollmond machst, vielleicht bei Halbmond. Dann ist der Mond zwar nicht voll, aber wesentlich kontrastreicher. Die Mondkrater sind dann viel besser zu erkennen, weil sie von der Sonne seitlicher beleuchtet werden. Das geht natürlich entsprechend auch schon mehrere Tage vor dem Vollmond.

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Wenn du willst: Das Ganze ist noch steigerungsfähig. Der nächste Super-Vollmond könnte noch reizvoller sein und noch mehr Möglichkeiten bieten. Dies sind die Termine in Deutschland:

9. März 2020

8. April 2020

27. April 2121

26. Mai 2121

Wenn der Mond der Erde besonders nahe kommt, erscheint er besonders gross. Man spricht dann von einem Supermond. Die genaue Uhrzeit, wann der Vollmond der Erde am nächsten ist, kann auch der Webseite TimeAndDate entnommen werden.

Wir werden möglichst auch am Start sein. Ich drücke die Daumen, dass klarer Himmel ist!

Das Beitragsfoto wurde mit einer Lumix DC-G9, also einer MFT-Kamera, und einem Objektiv mit 300 mm aufgenommen – das entspricht 600 mm bei KB.

Diese Reisestative erfüllen unsere Anforderungen:

  • hohe Stabilität
  • geringes Gewicht
  • geringes Packmass
  • einfache Handhabung
  • günstiger Preis

Es geht immer noch ein bisschen billiger. Leider rächt es sich aber, wenn man am Stativ zu sehr spart. Denn vom Prinzip her gilt der Grundsatz, dass ein Stativ möglichst schwer sein sollte, damit es stabil steht. Ein Reisestativ ist also bereits ein Kompromiss. In unserem Artikel „Stative“ beschreiben wir, wie erfahrene Fotografen für Fotos vom Mond sogar zwei Stative benutzen, um zu erstklassigen Ergebnissen zu kommen.

Wir haben grosse Sorgfalt auf die Auswahl gelegt und raten dringend von Billigstlösungen ab!

Stative bis ca. 150 €

Stative bis ca. 400 €

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