Reiseziele

Nordkap

Roadtrip mit dem Wohnmobil zum Nordkap durch Finnland, Norwegen, Schweden und Dänemark.

Eigentlich sollte es mit der Fähre nach Finnland losgehen. Aber Paco, unser Hund, liebt echte Bäume und Büsche und zieht sie jeder noch so modernen Einrichtung vor. Alles Fake. Also dann – der Landweg.

Wir fahren früh los. Von der „Lütten Backstuv“, der besten Bäckerei Hamburgs, holen wir uns belegte Brötchen. Die verfrühstücken wir bei der ersten Pause auf einer Raststätte an der A 7. Dann geht es an Flensburg vorbei über Kolding, Odense und Kopenhagen. In Helsingör setzen wir mit der Fähre über nach Helsingborg. Hier beginnt der eigentliche Norden.

Die Skandinavier sind frei von den tückischen Fuchsbandwürmern und fordern Impfnachweise für einreisende Hunde. Nicht, dass wir ernsthaft eine Hundekontrolle erwartet hätten, aber man sollte vorbereitet sein. Tatsächlich interessiert sich kein Mensch für den Hund.

In Jönköping übernachten wir auf dem Campingplatz Villa Björkhagen am Vättern-See. Ein schöner Platz mit hohen Ufern und einer grandiosen Aussicht über das Wasser, abends mit Blick auf die untergehende Sonne, morgens sieht man die klaren Farben des Nordens. Wir sind auf der Durchreise, ein längerer Aufenthalt soll es also nicht werden.

Der Plan ist, die Nachtfähre von Schweden nach Finnland zu nehmen, dann im Gegenuhrzeigersinn durch Finnland zum Nordkap zu fahren und durch Norwegen und Schweden zurück. Also bleiben wir am nächsten Tag erst einmal auf der Autobahn bis Stockholm. Gegen Mittag fahren wir für ein Picknick runter ans Ufer eines Sees – und fahren uns prompt fest.

Es ist irgendwie grotesk: eine ebene Grasfläche mit einer kaum sichtbaren Mulde, wo eigentlich nichts passieren kann. Nur ist die eben sehr feucht, und alle Versuche, das Auto mit Hilfe von Keilen und Ästen wieder frei zu kriegen, scheitern. Erst als zwei junge Leute mit einem VW-Bus zufällig an die selbe Stelle kommen, gibt’s Hoffnung. Tatsächlich, nach mehreren Schlepp-Versuchen ist das Wohnmobil aus der Mulde raus. Eine Flasche Wein wird als Dank akzeptiert, dann wird es auch Zeit, dass wir uns auf den Weg machen.

Rund um Stockholm hält ein Riesen-Stau auf. 17:30 Uhr, Berufsverkehr. 30 km/h wären erlaubt, aber nichts geht mehr. So langsam machen wir uns Sorgen um die Fähre. Aber dann wird doch noch alles gut. Mit dem letzten Tropfen Sprit aber jedenfalls rechtzeitig sind wir in Kapellskär und auf dem Schiff.

Die Überfahrt ist unspektakulär und fast etwas langweilig, die vorgelagerten Schären stellen für die automatische Steuerung keine Herausforderung dar, und richtig dunkel wird es auch nicht. Auch Paco hat gegen eine Nachtfähre keine Einwände. In Finnland ist die Uhr schon eine Stunde weiter, was die Nacht verkürzt.

Morgens um sechs kommen wir in Naantali an. Aber wir kommen nicht runter von dem Dampfer – der Mechanismus, der die Schranke öffnen soll, klemmt. Es dauert gut 40 Minuten, bevor es gelingt, die Schranke abzuschrauben.

Jetzt sind wir wirklich gespannt. Man hat uns gewarnt, dass Finnland die rigorosesten Einreisebestimmungen für Tiere hat. Also folgen wir brav den roten Schildern „Waren zu verzollen“ und „Haustiere“. Aber da ist nichts, nicht einmal einer, der uns durchwinkt. Zwei andere Wohnmobile sind auch auf der Suche, und schiesslich entscheiden wir selber, dass wir weiterfahren können.

Wenig später gibt’s dann Diesel, Kaffee und eine Pause am Waldrand. Das ist Urwald total, hier Farne und Bäume, da ein sumpfiger Tümpel. Ein paar Schritte von der Strasse kann man sich schon verlaufen. Und reichlich Mücken gibt’s auch.

Nach Helsinki ist es nur eine gute Stunde. Die Esplanade, Helsinkis Flaniermeile, ist voller Menschen, fast wie bei einer Demo. Wir bummeln durchs Regierungsviertel, schauen bei Stockmanns rein und sind mittags mit einem alten Geschäftsfreund verabredet. Markku möchte uns den Hafen zeigen und ein paar Empfehlungen für die Fahrt durch Finnland mit auf den Weg geben. Er hat einen Tisch in einem Restaurant an der Esplanade reserviert und kündigt einen lappländischen Rentierbraten an.

Helsinki ist eine weltoffene Stadt mit netten, hilfsbereiten Menschen, jeder spricht Fremdsprachen, und Besucher aller Länder sind auf eine persönliche Art willkommen. Die Hundefreundlichkeit in einigen Restaurants ist allerdings noch ausbaufähig. Es stellt sich nämlich heraus, dass Hunde grade dort nicht willkommen sind und Ausnahmen auch für die Tische draussen nicht gemacht werden. Markku ist enttäuscht, Ute murmelt etwas nicht Zitierfähiges, und ich tröste Paco und suche nach einem Ausweg.

Der Kauppatori wirbt mit seinen Fischspezialitäten

Wir sind nahe am Hafen, da gibt es einen Markt, den „Kauppatori“, und die Fischbuden sind für ihre Fischsuppe berühmt. Die Idee wird akzeptiert, und wenig später sitzen wir bei Seafood bestens versorgt im Zelt eines der mobilen Restaurants an der Mole.

Es ist Anfang Juni und heiss in Finnland in diesem Jahr. Markku erzählt, dass selbst in Lappland die 30° C-Marke geknackt wurde. Das gab es selten oder nie.

Wir haben nichts dagegen, kalt war es zuhause lange genug. Und die Aussicht, in Finnland in einem der Seen zu schwimmen, ist genau das, was wir brauchen.

Auf dem Kauppatori gibt es alles: Cafes natürlich, Obst, Gemüse, Waldbeeren, luftgetrockneten Schinken von Freilandschweinen, T-Shirts mit und ohne Aufdruck, handgeschnitzte finnische Buttermesser aus Holz und andere Souvenirs. Wir nutzen die Gelegenheit und frischen unsere Vorräte auf. Dann verabschieden wir uns von Markku und starten Richtung Norden.

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Die Finnen sind Gast- und Autofahrer-freundlich. Jede fest installierte Radarkontrolle wird angekündigt. Davon abgesehen sind die Blitzer nicht versteckt sondern stehen ehrlich und offen am Strassenrand. Wir wissen das zu schätzen, halten uns aber auch an die Geschwindigkeitsbeschränkungen. Denn wenn 80 erlaubt ist, dann man auch einen Schnitt von 80 fahren kann. Herrlich!

Selbsttrocknend – ein Handtuch brauchen wir nicht

Knapp drei Stunden rollen wir, dann bleiben wir auf den Campingplatz Visulachti bei Mikkeli. Ein wunderschöner See mit Hundestrand begeistert uns, und warm ist es auch noch – um 17 Uhr immerhin noch 29 Grad.

Der riesige Platz ist fast leer, aber alle Einrichtungen sind geöffnet, auch die Cafes und Bars auf der anderen Strassenseite. Da passt alles, wir bleiben noch einen Tag hier und geniessen die Annehmlichkeiten.

Unser nächstes Ziel ist Kuopio. Da wollen wir Kalakukko kaufen, eine regionale Spezialität der Region Savo: Ein „Kuchen“ aus Fisch und Schweinefleisch, eingebacken in Roggenteig. Den gibt es nur hier, und zwar in der Markthalle.

Der Kalakukko ist ein Gericht, das noch aus der Zeit kommt, in der von Hand gearbeitet wurde und die Bauern eine kalorienreiche Mahlzeit mit aufs Feld nehmen mussten. Richtig zubereitet war er sechs Wochen haltbar. Für uns heute ist er eher ein exotischer Snack, den man gerne probiert, um dann wieder zu gemässigter Nahrung zurück zu kommen.

Die Europastrasse 63 führt uns weiter nach Norden, Iisalmi, Kajaani, Hyrynsalmi. Wälder und grosse Seen. Wir würden gerne irgendwo wild campen und biegen nach Suomussalmi auf die Landstrasse 897 in nordwestlicher Richtung ab. Eine Stunde später finden wir einen geeigneten Platz. Unweit der Einmündung in die Landstrasse 800 ist direkt neben der Strasse ein Anglerplatz, gut befestigt mit Schotter-Zuwegung, an einem Bach mit Tisch, Bank und Feuerstelle. Wir sind alleine da. Es ist mitten in der Woche – unwahrscheinlich, dass so spät noch Angler kommen.

So nah am Polarkreis geht die Sonne nicht mehr richtig unter, verschwindet aber vielleicht hinter Bäumen. Wir sitzen in der Sonne und lesen. Paco klaut sich die Frisbee-Scheibe und beschäftigt sich unübersehbar damit. Aber das Gelände ist leider gar nicht danach, und irgendwann verziehen wir uns ins Wohnmobil. Es gibt zwar kaum Mücken, aber es wird kühl.

Am nächsten Morgen ist es weiter abekühlt, 14 Grad, aber sonnig. Wir frühstücken am Anglertisch und fahren dann weiter nach Norden, über Kuusamo und wieder auf die E63. Hier in Lappland begegnen wir immer wieder Rentieren. Es gibt keine eingezäunten Weiden oder Gehege, die Tiere leben frei in der Tundra, laufen auf und neben der Strasse, und haben es in keiner Weise eilig. Man kann im Schritttempo vorbeifahren, sie stören sich kaum daran.

Ein Kunstwerk am Strassenrand markiert den Polarkreis

Nur 30 km östlich liegt Russland. Bei der Ortschaft Tonkopuro kreuzt die Strasse den nördlichen Polarkreis. Es gibt da eine Infotafel und ein Cafe, das aber leider geschlossen hat. Unsere Mittagspause findet daher später an einem See bei Pelkosenniemi statt.

Goldsucher aus vielen Ländern versuchten hier ihr Glück

Die Europastrasse 63 endet in Sodankylä. Wir halten uns nördlich und fahren ab jetzt auf der E75 Richtung Inari weiter, zunächst zur alten Goldgräberstadt Tankavaara. Wir sind gespannt, was davon geblieben ist. Das Goldmuseum muss nicht sein, aber die Atmosphäre interessiert uns. Allerdings werden wir nicht richtig warm damit. Das klassischen Goldgräber-Milieu, so wie es hier nachempfunden ist, wird wohl überschätzt. Vielleicht liegt es daran, dass alles so perspektivlos erscheint. Vielleicht ist das auch so gewollt.

Gegen Abend kommen wir in Inari auf der Terrasse eines Hotels endlich zu einem Rentierbraten. Hier stört sich keiner an dem Hund, und es ist auch noch warm genug, um draussen zu sitzen.

Danach ist es dann auch schon Zeit, einen Platz zu suchen, an dem wir über Nacht ungestört stehen können. Wir biegen westlich in eine kleine Strasse ab und machen eine Exkursion über eine Schotterstrasse durch die Sümpfe. Die Strasse wird so eng, dass man sich nur an Ausweichstellen begegnen kann. Es gibt vereinzelt noch engere Waldwege, aber keine Parkplätze. Und selbst wenn wir hier etwas finden würden, würden wir im Schatten der Bäume von Mücken aufgefressen. Genug der Umwege, das hat Zeit gekostet. Eine richtige Strasse ist jetzt gefragt.

Die Staatsstrasse 92 führt direkt nach Norwegen, und auch hier sind Parkplätz nicht grade üblich. Erst kurz vor der Grenze bei Karigasniemi finden wir am Kevo Naturpark einen Parkplatz, auf dem wir stehen können. Allerdings ist es inzwischen 23 Uhr, es fühlt sich nur nicht so an. Die Sonne scheint flach über den Horizont und wirft lange Schatten.

15 km bis Norwegen. Mittags sollten wir am Nordkap sein. Am Porsanger-Fjord, einem Ausläufer des Nordmeers, ändert sich das Wetter, es wird diesig und teilweise bewölkt, und danach ändert es sich häufiger. Bei Russenes biegen wir auf die E69 nach Norden ab. Die Strecke bietet einen sehr schönen Ausblick auf den Fjord. Durch den Tunnel – von aussen sieht er gut aus, innen ist er grade mal 4,70 m breit – geht die Strasse 280 m unter dem Meer zur nördlichsten Insel und steigt da wieder an.Das Hochplateau mit dem Globus und dem Besucherzentrum des Norkaps liegt 300 m über dem Meer. Und das war’s dann mit der guten Aussicht. Das Nordkap selber liegt in dichtem Nebel. Dies ist der nördlichste Punkt auf dem Festland, mehr geht nicht.

Das Nordkap liegt in dichtem Nebel

Das Auto auf dem ausgeschilderten Parkplatz parken und sich dann voran tasten. Ungemütlich. Irgendwo hier muss das Nordkap sein. Und tatsächlich…

Dank der Steinhaufen sollten wir wohl zum Auto zurückfinden und dabei möglichst den Hund nicht verlieren. Wir hatten zwar nicht die erhoffte Aussicht, aber ein Erlebnis war es doch!

Die Wetterprognose kann sich nicht entscheiden, ob es aufklaren soll oder nicht. Zwecklos, zu bleiben. Wir fahren also dieselbe Strasse zurück bis Russenes – es gibt sowieso keine andere – und dann auf der E6 nach Westen Richtung Alta.

Gegen 21 Uhr, nachdem wir die Uhr wieder eine Stunde zurück gestellt haben, kommen wir bei strahlendem Sonnenschein und echten 20 Grad in Alta auf den Campingplatz Solvang. Der ist wunderbar gelegen, direkt am Altafjord, mit fantastischem Ausblick nach fast allen Seiten. Später scheint uns die Mitternachtssonne über dem Wasser.

Die norwegische Fjordlandschaft ist völlig anders als die Tundra-artige Wildnis Lapplands. Die E6 geht direkt an der Küste entlang und ermöglicht grossartige Ausblicke auf Berge und Meer. Hin und wieder anhalten, einen Kaffee trinken und ein Foto machen, dabei wechselt das Wetter von Sonne zu Grau, dann zu Blau und wieder zurück zu Grau mit tiefhängenden Wolken und Sprühregen. So bewegen wir uns langsam Richtung Lofoten.

Lyngvaer Bobilcamping auf den Lofoten

Dort angekommen spielt das Wetter leider garnicht mit. Es ist kalt, kaum 10 Grad, und es regnet. Die Lage des Stellplatzes bei Kleppstedt, dem Lyngvaer Bobolcamping, könnte allerdings nicht besser sein. Die Aussicht ist grossartig, und wir überbrücken das Tief mit kalorienreicher Hausmannskost. Gleich am nächsten Morgen kommt die Sonne durch, und da wird die Landschaft wirklich spektakulär.

Auf der Rückfahrt machen wir eine Info-, Sport- und Spass-Pause im Moysalen Nationalpark. Alle kommen auf ihre Kosten, auch Paco, der grösseren Bewegungsbedarf hat.

Der Moysalen ist mit 51 qkm Fläche der kleinste Nationalpark Norwegens. Die Landschaft ist weitgehend unberührt mit alpinen Gebirgsformationen, steilen Klippen, schroffen Felsen, Laubbäumen, bewaldeten Hügeln und dem 1262 m hohen Berg Moysalen. Das feuchte Seeklima bietet Lebensraum für zahlreiche Pflanzen- und Tierarten, an mehreren Stellen nisten Seeadler.

Abends finden wir einen inoffiziellen Stellplatz am alten Fähranleger bei der Siedlung Sommerset am Leirfjord, einem Seitenarm des grossen Fjords Sorfolda. Wie sich zeigt ist der Platz ist bei Deutschen und Österreichern bekannt und beliebt. Hinter Bäumen und Büschen stehen schon mehrere Wohnmobile, Dauergäste, die den halben Sommer bleiben und Angeln.

Der Fjord zeigt sich im besten Abendlicht. Der Platz ist wunderschön gelegen, näher am Wasser geht nicht. Einen Brötchenservice findet man hier nicht, und der nächste Supermarkt ist im fast 50 km entfernten Fauske oder in Straumen. Aber man findet Natur pur, ein Bach spendet Trinkwasser, und die Fische fängt man sich im Fjord.

Hier würden wir es auch länger aushalten. Aber der Rückweg ist noch lang, und Eile wollen wir nicht. Stattdessen rollen wir am nächsten Tag entspannt weiter nach Süden.

Bei Storjord biegen wir auf die Nationalstrasse 77 ab. Die Strasse ist abwechslungsreich und führt über eine Hochebene und in 1137 m Höhe über die nicht erkennbare schwedische Grenze. Hier tauchen auch wieder Rentiere auf, verkrüppelte Birken, Grasland und immer wieder Schneefelder, die bis an die Strasse reichen. An einem See machen wir auf einem der einfach aber schön eingerichteten Rastplätze eine Pause, und gegen Abend suchen wir uns an der Europastrasse 45 in Sorsele einen Campingplatz mit allen nötigen Einrichtungen. Wir sind hier etwa in der Mitte zwischen Atlantik und Bottnischem Meerbusen. Es ist ein einfacher Platz, der die typische skandinavische Klarheit ausstrahlt, ruhig, am See gelegen, mit wenig Gästen. Wir sitzen bei 16 Grad noch lange draussen in der Sonne, dunkel wird es auch hier nicht.

Bei Sonnenschein und blauem Himmel fahren wir morgens los. Aber das ändert sich. Ab nachmittags gibt es nur noch Wald und Regen, es wird kälter. Ein Stellplatz, den wir uns ausgesucht hatten, muss entfallen. Wie sich herausstellt müssten wir 40 km enge Schotterpiste fahren, mit Steinschlag und Ausweichstellen.

Das Kvarnsjö Camp & Vandrarhem ist auf Schmuddelwetter eingerichet

Das lassen wir, stattdessen bleiben wir auf zwar engen Strassen, die aber immerhin asphaltiert sind, und kommen im strömenden Regen bei Vemdalen zu dem 420 m hoch gelegenen Kvarnsjö Camp & Vandrarhem. Ein netter Empfang. Die Betreiberin ist Deutsche, ihr Mann Schwede. Sie freut sich, wieder ihre alte Heimatsprache zu sprechen. Wir nutzen die Gelegenheit und fragen sie aus, über das Leben in der Einsamkeit, Einkaufsmöglichkeiten, die Hundezüchter in Schweden, ihre Urlaubsreisen, das Wetter…

Am nächsten Tag ist es freundlich bis durchwachsen, aber immerhin kein Dauerregen, mit Trend zur Besserung. Wir wollen heute an den Bottnischen Meerbusen. Unterwegs schauen wir uns in Järvso den Karlsgarden an, ein bäuerlich-handwerkliches Museum im alten Stil. Hier ist alles aus Holz. Steinbauten haben wir genau genommen seit den norwegischen Fjorden keine mehr gesehen. In Schweden, wie auch schon in Finnland, baut man nur in den grossen Städten aus Stein, sonst wird das Holz aus der Region bevorzugt.

Am Abend richten wir uns auf dem Campingplatz Ängskärs havscamping bei Skärplinge ein, direkt am Wasser, umgeben von einem kleinen Naturschutzgebiet mit Wald und Buchten. Er gefällt uns so gut, dass wir einen Tag bleiben, am Meer spazieren und lesen. Paco liebt diese Tage besonders. Er geniesst alle Freiheiten, die verantwortbar sind, und kann sich nach Lust und Laune austoben. Die Frisbee-Scheibe ist wieder das begehrteste Spielzeug.

Diesmal wollen wir um Stockholm einen grossen Bogen machen – was sich bewährt. Wir kommen ohne grössere Hindernisse durch. Am späten Nachmittag des nächsten Tages finden wir den Stellplatz Mem beim Leuchtturm von Söderköping, direkt am der Ostsee-Schleuse des Göta-Kanals. Viel Wiese, aber nur wenige Stellplätze, sonnig, aber kalt. Anmeldung, Kaffee und Versorgunseinrichtungen gibts im „Kanalmagasinet, der Herberge, die zu dem kleinen Hafen gehört.

Stellplatz Mem beim Leuchtturm von Söderköping, direkt am der Ostsee-Schleuse des Göta-Kanals

Man steht sehr schön hier. Wer will findet eine Joggingstrecke gleich auf der anderen Seite der kleinen Brücke. Paco und ich nutzen sie gleich am nächsten Morgen..

Wir wollen noch nach Öland, daher fahren wir dann weiter und sehen uns im Süden der Insel um. Hier gibt es vor allem Grasland und kaum Bäume, die die Sicht verstellen. Fast hätten wir uns auf einem der Campingplätze einquartiert. Die starke Belegung, die Hund-an-die-Leine Schilder, der Wind und das Preisniveau halten uns dann doch davon ab. Also fahren wir zurück über die Kalmarsund-Brücke aufs Festland, und schon nach wenigen km finden wir bei Kalmar den Campingplatz schlechthin, direkt am Wasser, mit Badestrand und Booten, hundefreundlich, mit grossen Stellplätzen unter Bäumen.

Der Abend ist sonnig und warm, von dem Wind auf Öland ist hier nichts zu spüren. Und nachts wird es tatsächlich dunkel.

Der Platz gefällt uns so gut, dass wir einen Tag dran hängen. Wieder herrliches Wetter mit 25 Grad. Paco spielt das allseits beliebt Stöckchen-Spiel und hat zeitweise Gesellschaft von einem Retriever aus der Schweiz. Für uns ein entspannter Tag mit tendenziell mediterranen Urlaubsgefühlen.

Der nächste Tag ist ein reiner Reisetag entlang der Ostsee. Wir gönnen uns eine Pause bei Sölvesborg und verabschieden uns dann von Schweden. Gleich hinter der Öresund-Brücke erwischt uns ein heftiges Unwetter mit Starkregen, der die Strasse verschwinden lässt, dazu noch ein schweres Gewitter. Wir entscheiden uns für einen Stellplatz nördlich von Sorö. Der Platz ist geschützt gelegen, in einem ehemaligen Steinbruch, der inzwischen bewachsen ist. Der abendliche Spaziergang wird trotz Regen zur ausgiebigen Erkundung genutzt.

Am nächsten Morgen sieht alles sehr viel besser aus. Wir haben nicht viel vor heute und lassen es ruhig angehen. Die Stellplatz-Betreiber betreiben auch eine kleine Boutique, und Ute stöbert noch ein wenig während ich das Wohnmobil startklar mache. Vier Stunden und ein paar Brücken später parken wir auf dem Stellplatz am Hafen von Maasholm. Der ist ziemlich voll, aber toll gelegen, gleich hinterm Deich. Hier können Hund und Herrchen ausgiebig Frisbee spielen, Herrchen auf dem Deich, und Paco macht die Beinarbeit. Zwei Tage bleiben wir hier, lange Spaziergänge über den Deich werden mit einem Eis am Hafen belohnt.

Für den letzten Tag haben wir uns noch 200 km übrig gelassen. Wir freuen uns schon – wenn man lange weg war, dann kann man das eigene Zuhause erst so richtig geniessen.

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Einreisebestimmungen:

  • Personalausweis
  • EU-Führerschein

Alle skandinavischen Länder haben das Schengener Abkommen unterzeichnet. Es gilt Reisefreiheit. Kontrollen bei der Einreise sind nicht zu erwarten.

Zollbestimmungen:

Die Zeiten, in denen Camper ihren Wein und ihre Zigaretten in möglichst phantasievollen Verstecken ins Land schmuggelten, sind vorbei, seit es die Europäische Union gibt. Für Dänemark, Schweden und Finnland gelten damit die Zollbestimmungen der EU. Das heisst, dass alles, was für den persönlichen Gebrauch gedacht ist, nicht verzollt werden muss. Soweit die Theorie.

Zoll Schweden

In der Praxis gibt es vor allem in Schweden recht hohe Steuern auf alkoholische Getränke. Diese Steuern müssen bezahlt werden, wenn Alkoholika zu Handelszwecken eingeführt werden.

Man muss also vor allem in Schweden davon ausgehen, dass der Zoll weiterhin Stichproben macht, ob es sich bei den eingeführten Waren wirklich um Eigenbedarf handelt. Im Zweifelsfalle entscheidet der einzelne Zöllner vor Ort, ob die mitgebrachte Menge noch privat oder schon gewerblich ist.

Personen, die jünger als 20 Jahre alt sind, dürfen generell keinen Alkohol nach Schweden einführen.

Diese und weitere Hinweise zur Einreise, auch zu Tieren, gibt’s hier.

Zoll Norwegen

Für Norwegen gelten Einfuhrbeschränkungen für Alkohol, die recht kompliziert sind. Z. B.: Wer Tabak dabei hat, darf 4 Flaschen Wein und 6 Dosen Bier a 0,33 l einführen. Wer keinen Tabak dabei hat, darf 2 Flaschen Wein mehr mitnehmen. Die genauen Regelungen findest du hier:

Zollbestimmungen für die Einreise nach Norwegen

Alles Rauch

Die Einfuhr von Zigaretten und Tabak ist fast überall auf 200 Zigaretten oder 250 g andere Rauchtabakwaren beschränkt. Personen unter 18 Jahren dürfen generell keine Rauchwaren einführen.

Stellplätze:

Wir haben die Stellplätze und Campingplätze, die wir unterwegs besucht haben, in unsere Stellplatz-Doku aufgenommen. Die findest du hier:

Ehemaliger Fähranleger am Leirfjord an der E6. Stammplatz von Anglern aus D und A, die sich mit ihren Wohnmobilen hier treffen. Weitab von allem, aber schön gelegen mit Blick über den Fjord auf die Berge. Links der alte Fähranleger.

Reiseführer:

Reise-Literatur:

Skandinavien-Bildbände

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Mein Skandinavien *

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