Reiseberichte

Nordsee 2020

Eigentlich war diese Reise nicht in Deutschland geplant. Da aber die Corona-bedingten Reise-Warnungen eine grössere Auslandsreise riskant und die Rückkehr unsicher erscheinen lassen, haben wir umdisponiert.

Die Idee: Die Elbe stromabwärts bis Cuxhaven, dann an der Nordsee entlang bis Holland. Wo es schön ist, da bleiben wir, sonst fahren wir weiter.

Der Plan verlangt schon bei der Abfahrt nach Modifikation. Ein trüber und leicht verregneter Sonntag Mitte Juni. Man hat nichts davon, an der Elbe entlang zu fahren. Wir wählen also die schnellere Strecke, Autobahn und Bundesstraße. Erst kurz vor Cuxhaven machen wir einen Abstecher zur „Dicken Berta“, dem Leuchtturm bei Cuxhaven-Altenbruch.

Schade, der kleine Hafen am Alenbrucher Kanal ist bei dem Schietwetter nicht wirklich einladend, der Leuchtturm Grau in Grau ist kein Foto, und die Zufahrt zum Stellplatz ist neuerdings für Fahrzeuge über 2,8 t gesperrt. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Cuxhaven

In der Stadt gibt es mehr Möglichkeiten. Wir entscheiden uns für den Stellplatz am Alten Fischereihafen in Cuxhaven, wo sogar einige Restaurants geöffnet haben. Ein Abendessen beim Portugiesen in einer farblich verschönerten Fischhalle und in bester Stimmung rundet den Tag ab.

Montag fängt der Urlaub richtig an. Regen war gestern. Hier am Alten Fischereihafen steht man nahe der Schleuse direkt am Wasser, die Boote im Blick und den Nordsee-Hafen auf der anderen Seite. Tisch und Bank neben dem Wohnmobil, Brötchen gibt’s auch, ein perfektes Frühstück. Der Platz ist grossartig und hat das Zeug für unsere Favoritenliste. Es ist ein kleinerer Platz für 18 Mobile.

Der grosse Stellplatz am Fährhafen für 100 Mobile, berühmt und begehrt, ist schon früh am Tag voll besetzt. Der Ausblick aufs Meer ist eindeutig ein dickes Plus, der Nachteil ist die Umgebung hinter dem Platz, die Fussgängern und Hunden wenig Spielraum lässt.

Wurster Küste

Wir zockeln langsam die Küste entlang. Genau so haben wir uns das gedacht. Ein paar km weiter gibt es einen Stellplatz am Kutterhafen in Spieka-Neufeld. Wir sind noch nicht ganz entschieden und schauen erst noch weiter. Cappeln-Neufeld, Dorumer Neufeld. Jeder Platz ist schon Mittags belegt. In Niedersachsen gilt, dass Campingplätze nur zu 60 % belegt werden dürfen. Ob diese Regel auch für Stellplätze gilt, ist nicht ganz klar. Es würde keinen Sinn machen, aber im Zweifel gilt die Regel eben doch. In Dorum ist nicht nur alles voll, wir finden es auch nicht wirklich reizvoll, und so fahren wir zurück und bleiben in Spieka.

Der Platz liegt direkt an der Nordsee und damit am Nationalpark Wattenmeer. Der Stellplatz gehört zum „Knaus Campingpark“ und teilt sich den Hafen mit einigen Fischkuttern. Als wir kommen gibt es noch genau einen freien Stellplatz. Und das auch nur, weil die einzelnen Stellflächen grosszügig genug bemessen sind, um jede einzelne zu belegen. Nach der 60-%-Regel dürfte nur jeder 2. Platz belegt werden.

Es ist sehr schön hier. Das Wattenmeer, Strandkörbe, Hafen. Ein Eismann kommt vorbei, und eine Bäckerin bringt Brötchen und Kuchen. Abends geniessen wir das klare Licht auf dem Deich.

Leuchtfeuer

Fast wären wir noch einen Tag geblieben, den Platz hatten wir ja sicher, und die Strandkörbe sahen sehr verlockend aus. Aber der Nationalpark und der Hund sind nur schwer kompatibel, und wir haben bis jetzt immer noch einen guten Platz gefunden. Wir fahren also die Wurster Küste weiter und sehen uns den Leuchtturm Obereversand in Dorum-Neufeld an. Das eigenwillige Gerüst ist selbst in Corona-Zeiten besteigbar und bietet einen weiten Blick aufs Wattenmeer.

Dann verlassen wir erst einmal die Küste und fahren um Bremerhaven herum auf die Butjadinger Halbinsel. Der nächste Leuchtturm, das Oberfeuer „Preusseneck“, steht bei Eckwarderhörne an der Innenjade. Hier kann man zu Wattwanderungen starten, immer Land in Sicht. Aber den Wattführer braucht man doch. Das Wasser kommt ganz bestimmt, und zwar überall gleichzeitig. Hier ist nur mit viel Glück noch ein freier Platz zu finden.

Wilhelmshaven

Ob Campingplatz oder Stellplatz – alles ist voll besetzt. Wir umrunden den Jadebusen und finden kurz vor Wilhelmshaven am Jade-Weser Airport einen kommunalen Stellplatz, kostenlos. Wasser und Entsorgung, das kann man dem Parkplatz-Schild entnehmen, gibt’s gebührenfrei in gut 4 km Entfernung. Alles bestens also, auch für Paco. Der Weg aussen am Flugfeld entlang ist bei Hundehaltern offenbar beliebt.

Gleich nebenan im BistroCafe AirLine kann man draussen sitzen. Der Wirt fährt selbst ein Wohnmobil und bietet uns an, am nächsten Morgen Brötchen mitzubringen. Bei einem Hefeweizen im „Airline“ unterhält ein Hubschrauber-Flugschüler uns und die anderen Gäste mit gewagten Flugmanövern in niedriger Höhe und mit minimalem Abstand zum Hangar. So etwas muss wahrscheinlich ein Retttungspilot können.

Wir drehen eine Runde durch Wilhelmshaven und sehen uns den Fliegerdeich an, den wohl begehrtesten Stellplatz am Ort. Natürlich voll, aber wir wollen auch weiter, noch etwas sehen heute.

Horumersiel

Also fahren wir Richtung Norden, an Horumersiel vorbei, bis Schilling. Hier an der nördlichen Ecke,gibt es Sandstrand, einen Hundestrand, einen riesigen Campingplatz und einen grossen Stellplatz. Auch hier alles voll. Wir sollten wohl beizeiten etwas finden, später am Tag wird es noch schwerer. Also fahren wir zurück nach Horumersiel. Dort am Hafen gibt es einen sehr schön gelegener Stellplatz, und tatsächlich sind noch mehrere Plätze frei. Der Ort gefällt uns, Ein Shop mit Mode, kreativen Masken und verschiedenen Teilen, die gute Souvenirs abgeben, liegt direkt neben dem „Horumer Tief“, einem Wasserlauf mit Grün. Paco ist also mit Herrchen beschäftigt, während Frauchen sich das Innere des Geschäfts ansieht. Nach einem Rundgang am Strand vorbei an unzähligen Strandkörben setzen wir uns ins Käptn’s Fischhus am Yachthafen und geniessen die Aussicht.

Am Stellplatz am Hafen werden wir dann von unseren Nachbarn vorgewarnt: Der Mann vom Ordnungsamt schickt alle weg, die in der zweiten Reihe stehen, Abstand oder nicht. Die erste Reihe darf eng stehen, die zweite gar nicht. So sieht hier die Abstandsregel aus.

Und so kommt es, das wir Abends noch mal los müssen. Auf Stellplätzen in der Nähe, die alle voll sind, treffen wir Leidensgenossen. Schliesslich kommen wir in Wittmund unter. Die Stadt hat dankenswerter Weise den Schützenplatz für Wohnmobile freigegeben – auch hier sind unsere Nachbarn Vertriebene aus Horumersiel.

Ostfriesische Küste

Am nächsten Morgen sehen wir dann dass entlang der Küste alles rappelvoll ist. Der Tag könnte gut mit Suchen nach einer Übernachtungsmöglichkeit vergehen. Urlaub geht anders.

Wir hoffen jetzt auf Holland. Zunächst fahren wir über Dorumersiel nach Norddeich und werfen einen Blick auf unseren früheren Stellplatz. Das „belegt“-Schild ist nicht zu übersehen. Den Pilsumer Leuchtturm bei Greetsiel sehen wir uns an – von aussen, der Turm selber ist Corona-bedingt geschlossen. Immerhin gibt es ein Geschäft mit Cafe, allerdings hätte man den Kaffee draussen im Stehen trinken müssen. Ein andermal vielleicht.

Beerta

Mir frischem Kaffee aus der Bordküche starten wir durch und umrunden als Nächstes die Emsmündung. Ab nach Holland. Etwas spannend ist es schon, jetzt ins Ausland zu fahren. Aber es gibt keine Kontrolle an der Grenze, das ist schon mal gut. Wir nehmen gleich die nächste Ausfahrt und rollen in Beerta zum Stellplatz. Der liegt an einem kleinen Binnen-Jachthafen, und es gibt reichlich Platz. Die Betreiber sprechen deutsch und sind freundlich und hilfsbereit. Ein Coop Markt – in Holland ohne Maskenpflicht – ist um die Ecke.

Für Paco gibt es reichlich Wald und Wiese, und gleich nebenan einen Streichelzoo mit neugierigen Alpakas und einem Wildschwein.

Hier im niederländischen Binnenland bleiben wir ein paar Tage. Die Sucherei hat erst mal ein Ende.

Friesische Küste

Next Stop Lauwersoog. Es ist tatsächlich noch ein einzelner Platz direkt am Wasser frei auf dem Stellplatz am Anfang der langen Deichstrasse, die das Lauwersmeer von der Nordsee trennt. Hier haben die Betreiber fast liebevoll ein maritimes Museum eingerichtet, das man aber auch benutzen darf. Es gibt Tische, einen Kühlschrank, eine Pantry, eine Bücherecke und eine Terrasse mit Blick auf den See. Und jede Menge Ausstellungsstücke, Kitsch und Künste, und auch solides Handwerk. Die Bücherecke kommt uns sehr gelegen. Wir haben eine ganze Kiste Bücher mit, die wir weitergeben wollen, und davon pflegen wir gut die Hälfte ein.

Weiter an der Küste entlang Richtung Den Helder. Viel Deich, viele Felder. Der angepeilte Platz bei Paesens-Moddergat ist voll, der daneben ganz ausser Betrieb. Wir fahren die ganze Küste von Friesland entlang, schauen immer mal wieder über den Deich. Ein Stellplatz ist allerdings nicht mehr in Sicht.

Bauernhof bei Sint Annaparochie

Am Nachmittag entscheiden wir uns für das „Minicamping De Blikvaart“ im Binnenland, etwas ausserhalb von Sint Annaparochie. Hier auf dem Bauernhof gibt es überraschend viel Platz, Sonne und Schatten, Windschutz, einen Forellenteich. Für die Bauernfamilie ist der Tourismus ganz offensichtlich ein zweites Standbein. Ausser dem Stellplatz gibt es einen weiteren Platz für Caravans, einen Grillplatz, barrierefreie Unterkünfte für Gruppen, einen Spielplatz, Hasen, Pferde und wieder Alpakas. Und natürlich einen ausführlichen Prospekt mit vielen Freizeitmöglichkeiten. Man kann Reiten, Angeln, Radfahren, Essen gehen und alles Mögliche ansehen. Nur vor Hunden fürchtet sich die Bäuerin, also bitte an die Leine.

Hier lässt es sich aushalten. Wir bleiben zwei Tage und einen Sonnenbrand. Die Bäuerin bietet an einem Tag ein Vesperpaket an, „a la Carte“, und das ist für uns eine willkommene Abwechslung auf der Speisekarte.

Ijsselmeer

Weiterfahrt auf der Deichstrasse übers Ijsselmeer nach Den Helder. Hier gibt es viele Wasserstrassen, noch mehr Brücken und unzählige Boote. Amsterdam in klein. Der Stellplatz liegt mitten in der Stadt am Jachthafen, und der hat sogar noch Plätze frei. Dieser Platz ist allerdings sehr eng, asphaltiert und ohne jede Auslaufmöglichkeit für Paco. Nichts für uns. Wir machen einen Rundgang am Hafenbecken entlang und fahren dann weiter ein Stück nach Süden. Hier an der Riviera von Nord-Holland boomt der Tourismus. Es wird schnell klar, dass wir hier schauen aber nicht bleiben werden. Einen Platz zu finden versuchen wir erst gar nicht.

Auch Amsterdam lassen wir aus. Am frühen Nachmittag starten wir die Rückfahrt, erst quer über die Landzunge und dann über die Deichstrasse zwischen Ijsselmeer und Markermeer, endlose Weite, nach Lelystad.

Direkt am Badestrand, noch vor dem Ortseingang und hinter einer Düne, ist ein Parkplatz für Wohnmobile freigegeben. Hier richten wir uns ein. Die Lelystädter nutzen das herrliche Wetter und machen Party am Strand. Für die Jugendlichen ist Corona weit weg, und irgendwie gönnt man ihnen da die Auszeit. Aber auch in den Niederlanden ist die Pandemie noch nicht vorbei. Immerhin, am nächsten Morgen gehört der Strand ganz allein Paco.

Zuidlaardermeer

Für die Rückfahrt nehmen wir die direkte Strecke über Groningen. Etwas südlich der Stadt liegt ein ausgedehntes Erholungsgebiet am Zuidlaardermeer. Camping Meerwijck heisst der Platz, den wir uns aussuchen, am Wasser bei Kropswolde, mit eigenem Strand und einer Marina.

Der Platz ist riesig, gut belegt von Dauercampern und im Übrigen vorgebucht. Wir bekommen wieder einmal grade den letzten Platz und rutschen für den einen Tag noch rein. Kaum zu glauben, die Schulferien haben überwiegend noch gar nicht angefangen.

Für uns geht’s morgen zurück nach Hamburg. Der Urlaub war völlig anders als wir uns das gedacht hatten, aber wir hatten schönes Wetter und gute Plätze, wenn auch nicht immer an der Nordsee.

Unsere Stellplätze auf dieser Tour:

Stellplatz Stellplatz
Zur Schleuse
Adresse Präsident-Herwig-Str. 21
27472 Cuxhaven
GPS 53.866963, 8.709590
Webseite: wohnmobilparkplatz-
zur-schleuse.de
Gelände Asphalt
Umgebung Alter Fischereihafen,
Schleuse
Preis 15,- €
Frischwasser +
Strom +
Grauwasser +
Chemietoil. +
Restaurant 150 m
Einkauf 400 m
Stellplatz Stellplatz Wurster
Nordseeküste
Adresse Am Kutterhafen,
27637 Wurster Nordseeküste
GPS 53.789331, 8.549388
Webseite: knauscamp.de
Gelände Gras, Schotter
Umgebung Kutterhafen, Nationalpark
Preis 13,50
Frischwasser +
Strom +
Grauwasser +
Chemietoil. +
Restaurant 200 m
Einkauf 6,5 km
Stellplatz Parkplatz am Hangar
Adresse Mariensieler Str.,
26452 Sande
GPS 53.507705, 8.052785
Webseite:
Gelände Asphalt
Umgebung Flugplatz
Preis kostenlos
Frischwasser
Strom
Grauwasser
Chemietoil.
Restaurant 150 m
Einkauf 3,5 km
V&E4,5 km
53.490640, 8.023093
Stellplatz Schützenplatz Wittmund
Adresse Auricher Straße 47,
26409 Wittmund
GPS 53.573475, 7.770770
Webseite: wittmund-tourismus.de
Gelände Gras
Umgebung Stadt
Preis kostenlos
Frischwasser
Strom
Grauwasser
Chemietoil.
Restaurant 50 m
Einkauf 300 m
Stellplatz Yachthafen Beerta
Adresse Buitenlandenstraat 5,
NL-9686 PZ Beerta
GPS 53.171992, 7.098092
Webseite: speeltuinbeerta.nl
Gelände Gras
Umgebung Jachthafen, Kanal, Wald
Preis 11,50 inkl.
Frischwasser +
Strom +
Grauwasser +
Chemietoil. +
Restaurant 800 m
Einkauf 200 m
Stellplatz Camperplats Lauwersoog
Adresse Kustweg 30,
NL-9976 VP Lauwersoog
GPS 53.405744, 6.200048
Webseite: chaletverhuurlauwersoog.nl
Gelände Asphalt
Umgebung Flüssmündung, Nordsee
Preis 19,50 € inkl.
Frischwasser +
Strom +
Grauwasser +
Chemietoil. +
Restaurant 250 m
Einkauf 8 km
Stellplatz Minicamping
Blikvaart
Adresse Hemmemaweg 12
NL 9076 Sint Annaparochie
GPS 53.260312, 5.666846
Webseite: blikvaart.nl
Gelände Gras, Schotter
Umgebung Bauernhof, Fischteich
Preis 14,50 €
Frischwasser +
Strom +
Grauwasser +
Chemietoil. +
Restaurant 2,5 km
Einkauf 2,5 km
Stellplatz Camperplats Lelystad
Adresse Houtribweg 68,
NL-8221 RG Lelystad
GPS 52.547999, 5.457016
Webseite: hollandinfo.com
Gelände Asphalt
Umgebung Deich, Ijsselmeer
Preis kostenlos
Frischwasser
Strom
Grauwasser
Chemietoil.
Restaurant 200 m
Einkauf 5 km
Stellplatz Camping Meerwijck
Adresse Strandweg 2,
NL-9606 PR Kropswolde
GPS 53.149800, 6.691523
Webseite: meerwijck.nl
Gelände Gras
Umgebung See, Marina
Preis 18,- €
Frischwasser +
Strom +
Grauwasser +
Chemietoil. +
Restaurant am Platz
Einkauf 4 km

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