Kameras

Kaufberatung: Reisekameras


Eine Reisekamera muss handlich sein, leicht, universell, selbsterklärend, robust und dabei beste Fotoqualität liefern.

Das geht nicht ohne Kompromisse. Die Frage ist: Welche Kompromisse sind vertretbar?

Eine höhere Auflösung erlaubt grundsätzlich auch eine stärkere Vergrösserung und erzielt allgemein eine bessere Bildqualität. Eine gute Kamera sollte also viele Bildpunkte (Pixel) haben, gleichzeitig sollte der Abstand der Pixel voneinander möglichst gross sein. Damit gilt für den Sensor einer Digitalkamera: Je grösser, desto besser. Für die Kamera und die Objektive heisst das: Schwer und teuer.

Eine Kamera ist aber nur gut, wenn man sie und alles nötige Zubehör längere Zeit tragen und in möglichst jeder Situation einsetzen kann. Das spricht eher für eine handliche Lösung.

Das Prinzip „viel hilft viel“ ist, wie auch in manchen anderen Bereichen, an der Qualität vorbei gegangen und nicht ganz up to date. Grössere Sesoren und mehr Pixel sind nicht mehr die alleinigen Garanten für Bildqualität. Grade die Hersteller von Kameras mit mittelgrossen Sensoren haben sich in letzter Zeit enorm innovativ gezeigt und überraschend phantasievolle technische Entwicklungen angestossen.

Neben der Qualität des Fotos selbst spielt immer auch die Qualität der Kamera eine Rolle: Handhabung, Schnelligkeit und Robustheit, sprich Haltbarkeit. Was nutzt dir eine Reisekamera, die du im Sprühnebel eines Wasserfalls in der Tasche lassen musst, weil sie nicht gegen Spritzwasser geschützt ist? Oder eine, die bei einem springenden Tier nicht auslöst, weil der Autofokus nicht nachkommt?

Dies sind die Kriterien, in denen eine Reisekamera gut abschneiden muss:

  • Handlichkeit und Gewicht
  • Bildqualität
  • Schnelligkeit des Autofokus
  • Bildstabilisator im Gehäuse
  • 4K-Video
  • Staub- und Spritzwasserschutz
  • Stabiles Gehäuse
  • Preis

Grundsätzlich gilt: Gute Fotos sind auch mit einfachen Kameras möglich. Es muss also nicht die teuerste Kamera sein, vor allem, wenn die Bilder auf Bildschirmen angeschaut und nicht gedruckt werden sollen und wenn man nicht bei Wind und Wetter unterwegs sein will.

Ich habe ausführlich recherchiert und nach diesen Schwerpunkten aus dem riesigen Angebot des Marktes mehrere Kameras ausgewählt. Um mir ein möglichst umfassendes Bild von den einzelnen Geräten zu machen habe ich nicht nur eigene Eindrücke, sondern vor allem die verfügbaren Tests im Internet, Erfahrungsberichte und Bewertungen berücksichtigt. Dabei bin ich manchmal anderer Meinung als die Tester. So findet man im Hinblick auf einsetzendes Bildrauschen häufig eine Toleranz bis ISO 1600 und höher, die ich vor allem bei kleinen Sensoren nicht nachvollziehen kann.

Nur die jeweils besten Kameras habe ich zusammengestellt und verschiedenen Kategorien zugeteilt. Das Ergebnis siehst du hier.

Die Handlichen

Die Kompakten sind echte Leichtgewichte. Mit fast unglaublichen 300 Gramm sind sie unterwegs keine Belastung. Gegen Staub und Spritzwasser geschützt sind sie allerdings nicht. Die Bildqualität der vier Kompakten, die ich ausgewählt habe, wird als sehr gut bis gut beurteilt. Bei den drei Kameras mit 1-Zoll-Sensor ist der Detailverlust infolge von Bildrauschen bis ISO 800 noch vertretbar, bei der TZ81, die als einzige über den kleineren 1/2,33 Zoll Sensor verfügt, gilt das bis ISO 400.

Die Sony ist unschlagbar in Bildqualität und Schnelligkeit des Autofokus. Sie hat mit einer Anfangsöffnung von 2,8 das lichtstärkere Objektiv und liefert die höchste Auflösung in Linienpaaren pro Bildhöhe. Das 8fach Zoom Objektiv von Zeiss erscheint für eine Reisekamera etwas knapp dimensioniert, ist aber mit 24-200 mm entsprechend Kleinbildformat grade im unersetzlichen Weitwinkelbereich gut vertreten. Leider ist die Kamera sehr teuer.

Preis-Leistungs Sieger ist die zweitplatzierte Lumix DC-TZ202. Die DC-TZ202 hat eine Anfangsöffnung von 3,3, deckt dafür aber einen grossen Zoombereich ab, der 24-360 mm bei Kleinbild entspricht, bei durchgehend guter Bildqualität. So stellt man sich eine gut ausgestattete Reisekamera vor.

Die Vorgängerin DMC-TZ101 ist in der Bildqualität genau so gut und hat sogar eine Anfangsöffnung von 2,8, ist aber mit 25-250 mm nicht so zoomstark. Die Kamera wurde bei Testern 2016 als beste Reisekamera gehandelt, und wer nicht die neuesten Features braucht, ist auch heute noch gut bedient.

Die günstigste Kamera, die DMC-TZ81, stellt mit einem Zoombereich von 24-720 mm (KB) alles in den Schatten, kommt aber in Bildqualität und Schnelligkeit nicht ganz an die anderen Kameras heran. Der extreme Telebereich stellt bei guten Lichtverhältnissen einen in dieser Form wohl einmaligen Griff nach der Ferne dar.

Mein Sohn hat sich diese Kamera auf meine Empfehlung hin gekauft. Er ist hochzufrieden und schätzt vor allem die Videoqualität und – damit hatte ich nicht gerechnet – die Qualität des eingebauten Mikrofons.

Die Robuste

Ein Spezialfall ist die Olympus TG-5. Sie wird von Olympus als „Tough!“ beworben: Eine Fallhöhe von 2,10 m und eine Tauchtiefe von 15 m soll sie unbeschadet überstehen. Von der Bildqualität her landet sie im Mittelfeld, und das 4x-Zoom ist für eine Reisekamera eine eher sparsame Ausstattung. Für Fotos im und unter Wasser ist sie aber ideal, und von der Robustheit her gibt es wirklich keinen Grund, warum sie jemals zu Hause bleiben sollte.

Als Zubehör ist ein Unterwassergehäuse erhältlich, das die Tauchtiefe auf 45 m erweitert. Preis ca. 400 €.

Bridgekameras

Bridgekameras sollen eine Brücke bilden zwischen der Ausstattung von Reflexkameras und der Einfachheit von Kompaktkameras: Ein Gehäuse, ein Objektiv, ein grosser Zoombereich und doch gute Bildqualität. Das schaffen sie auch. Staub- und Spritzwasserschutz sucht man aber auch hier vergebens. Dafür legen sie bei Bildqualität und Schnelligkeit noch zu. Drei Bridgekameras sind besonders empfehlenswert.

Die klare Nr. 1 ist die Sony RX10IV. Sie hat die beste Bildqualität und die höchste Geschwindigkeit, ist allerdings sehr teuer.

Preis-Leistungs-Sieger ist die Lumix FZ2000. Sie kommt dem Spitzenmodell in den meisten Punkten sehr nahe und kostet die Hälfte. Bei beiden setzt sichtbares Bildrauschen erst jenseits von ISO 800 ein. Mit rund 1 kg Gewicht sind die beiden Kameras durchaus spürbar im Reisegepäck. Man hat damit aber auch schon alles dabei – das Objektiv ist eingebaut und deckt einen grossen Zoombereich bei guter Bildqualität ab.

Auch die FZ1000 wäre ganz vorne dabei, wenn sie nicht ein Plastikgehäuse hätte. Und sie verliert ab ISO 800 Details durch Bildrauschen. Aber sie gehört immer noch zu den Besten.

Systemkameras

An Systemkameras werden höchste Ansprüche gestellt. Sie sind das Wertigste, was die Kamerahersteller bauen. Sie geben dem Fotografen die meisten Möglichkeiten, lassen sich mit unterschiedlichen Objektiven kombinieren und bieten das meiste Zubehör. Der Bildsensor ist generell grösser, mindestens Micro Four Thirds (MFT), und weniger rauschempfindlich. Die Stabilität der Gehäuse, fast immer Magnesium Legierungen, lässt kaum Wünsche offen, und der Schutz vor Staub und Spritzwasser ist inklusive.

Systemkameras sind auch deswegen teurer, weil die Preise immer nur für das Kamera-Gehäuse gelten und die Objektive einzeln zugekauft werden müssen. Allerdings gibt es für Objektive und Zubehör immer auch einen Gebrauchtmarkt, der die Kosten senken kann. Da der Bildstabilisator bei den ausgewählten Kameras im Gehäuse verbaut ist, sollte er auch bei älteren Objektiven zumindest eingeschränkt nutzbar sein.

Die beste Bildqualität bei MFT und die höchste Detailtreue bietet die Lumix DC-G9. Sie ist hervorragend ausgestattet und verfügt über zwei Speicherschächte. Der Bildstabilisator kompensiert 6,5 Lichtwerte. In Verbindung mit dem rasend schnellen Autofokus, der höchsten Speichergeschwindigkeit, einem High-Res-Modus für Bilder mit 80 Megapixeln und dem auf 200.000 Auslösungen ausgelegten Verschluss ist die Kamera auch im Profi-Segment interessant. Lediglich im Rauschverhalten ab ISO 3200 muss sie der zweitplatzierten Fuji den Vortritt lassen. Obwohl recht teuer ist die DC-G9 auch der Favorit im Hinblick auf das Preis-Leistungs-Verhältnis.

Die höchste Auflösung und das beste Rauschverhalten im hohen ISO-Bereich hat die Fujifilm X-H1.

Die Lumix DMC-GH5 ist neben guten Fotoleistungen mehr auf Video ausgelegt und besticht da durch ihre Funktionsvielfalt.

Die Sony Alpha 6500 ist eine rundum gute Kamera ohne herausragende Stärken oder Schwächen. Beim Rauschverhalten profitiert sie geringfügig von ihrem grösseren Sensor.

Die Olympus E-M1 Mark II punktet durch eine hohe Ausdauer und mit einem Bildstabilisator, der 6,5 Lichtwerte kompensieren kann.

Die Lumix GX8 ist eine Kamera ohne herausragende Spitzenleistungen, aber auch ohne grössere Schwächen. Seit ihrer Markteinführung im Juni 2015 sind viele neue Features entwickelt worden und sie ist von mehreren Modellen aus dem eigenen Hause überholt worden. So kompensiert der Bildstabilisator nur 3,5 Lichtwerte. Als eine der wenigen Kameras verbindet sie aber Bildqualität, Schnelligkeit und Robustheit und gehört daher in die engere Wahl. Sie wird immer seltener neu angeboten, man muss also eventuell auf die Angebote von Gebrauchten zu greifen. Das scheinbare Nachfolgemodell, die GX9, hat leider ein Plastikgehäuse und ist nicht gegen Staub und Spritzwasser geschützt. Das wirkliche Nachfolgemodell ist wohl die G9, der Testsieger.

Ich nutze die DC-G9 und die GX8 selber. Näheres dazu:

Das Dickschiff

Olympus hat ein neues Flaggschiff herausgebracht, eine Kamera der Superlative. Die OM-D E-M1X bringt alles an Ausstattung mit, was Stand der Technik ist und noch einige Neuerungen dazu. Der Bildstabilisator kompensiert erstmals 7 Lichtwerte, zwei Batterien verdoppeln die Kapazität und eine High-Resolution Funktion mit 50 Megapixel ist sogar noch aus der Hand möglich. Die Kamera hat wohl die üppigste Ausstattung und ist vom Funktionsumfang her das Beste, was der Markt im April 2019 zu bieten hat. Das Gewicht von über 1 kg (nur das Gehäuse) verschenkt allerdings einen Grossteil der Vorteile des MFT-Systems. Da der Verschluss auf 400.000 Auslösungen ausgelegt ist, zielt Olympus mit der OM-D E-M1X auf das Profi-Segment. Der Preis ist entsprechend hoch.

Wegen der Höhe des Preises und des Gewichts ist die Kamera nicht zusammen mit den Systemkameras gelistet. Nach Qualitätskriterien wäre die OM-D E-M1X bei der Rangfolge entweder vor oder nach der Lumix DC-G9 gelandet. Die Bildqualität ist bei beiden Kameras sehr gut, beim Rauschverhalten im höheren ISO Bereich stossen beide an die Grenzen des MFT-Systems. Beide behelfen sich mit einer High-Res Funktion bis 80 Megapixel. Der Bildstabilisator der Olympus schafft 1/2 Lichtwerte mehr, der Autofokus ist kaum merklich langsamer als bei der Lumix. Sucher und Display der Lumix lösen noch etwas höher auf, was vor allem bei der Beurteilung des Rauschverhaltens eine Rolle spielen kann. Die Olympus ist insgesamt noch besser ausgestattet, allerdings kann die doppelte Batteriekapazität im direkten Vergleich nicht gewertet werden, weil auch für die Lumix ein Handgriff mit doppelten Batterien erhältlich ist. Der hat den Vorteil, dass er abnehmbar ist.

Die Olympus OMD E-M1X ist eine Spitzen-Kamera. Als Reisekamera ist sie eigentlich zu schwer. Und wer diese Kamera voll ausnutzen will, wird auf die Olympus Pro Objektive zugreifen wollen. Die machen die Ausrüstung noch einmal deutlich schwerer. Und sehr teuer.

Die Spiegelreflex

Spiegelreflex-Kameras gelten als die Profi-Klasse der Kameras schlechthin. Sie bieten Vorteile beim Stromverbrauch, da sie einen optischen und keinen elektronischen Sucher haben. Nachteile sind das Gewicht und die durch den Spiegel bedingte Erschütterung beim Auslösen, was selbst bei 1/60 sek noch zu Unschärfen führen kann. Eine KB-Spiegelreflex ohne Stativ ist ein Unding. Das lichthungrige Sensorformat braucht lichtstarke Objektive, und die sind teuer. Leider benutzen alle Hersteller auch ihre eigenen Bajonett-Anschlüsse. Anders als bei den Kameras im MFT-System sind die Objektive der verschiedenen Hersteller nicht untereinander austasuchbar, so dass auch auf dem umfangreichen Gebrauchtmarkt für Objektive und Zubehör immer nur der jeweilige Teil zur Verfügung steht.

Die Überraschung im Vergleichstest: Bei den Kameras, die in Bezug auf die zugrunde gelegten Kriterien überzeugen, sind nur zwei Spiegelreflex! Die Sony Alpha 99 II ist die einzige Vollformatkamera im Vergleichstest. Sie ist gut ausgestattet, hat die höchste Auflösung in Linienpaaren pro Bildhöhe und ein gutes Rauschverhalten. Der Autofokus ist nicht der schnellste, arbeitet aber auch mit wenig Licht. Die Ausdauer ist mit 780 Aufnahmen pro Akkuladung unerreicht. Die Kamera ist allerdings auch extrem teuer.

Die Alpha 77 II hat den etwas kleineren APS-C Sensor. Sie ist ebenfalls gut ausgestattet und liegt in der Bildqualität etwa gleich auf mit der Alpha 99 II. Der Autofokus hat Schwächen in der Dämmerung.

Beide Kameras gehören zu den schwersten im Vergleichstest. Objektive werden von Sony und mehreren Fremdherstellern angeboten.

Canon und Nikon, die Platzhirsche des vollformatigen Spiegelreflex Marktes, haben bisher leider keinen Bildstabilisator in ihre Kameras eingebaut. Und die beiden Modelle von Pentax kommen mit dem Autofokus nicht ganz nach.

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Beim Kauf einer Systemkamera könnte die Überlegung anstehen, eine andere Kamera dafür wegzugeben. Hier finden sich daher teilweise zwei Links: Einer führt zu einem Händler, der eine Inzahlungnahme gebrauchter Kameras anbietet. Bei dem zweiten Link besteht diese Möglichkeit nicht, dafür ist aber der Preis vielleicht etwas günstiger.

Systemkameras mit der Möglichkeit der Inzahlungnahme gebrauchter Kameras:

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Systemkameras ohne Möglichkeit der Inzahlungnahme gebrauchter Kameras:

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Olympus OM-D E-M1 Mark II*

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Das Dickschiff:

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Spiegelreflex:

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