Wohnmobil WoMo

Welches Wohnmobil ist das richtige?

Kastenwagen oder Teilintegrierter? Die Vor- und Nachteile der wichtigsten Bauformen bis 3,5 t.

Für die Mobilität macht es einen riesigen Unterschied, ob man auf den breiten Strassen in den Weiten der USA oder Kanadas unterwegs ist, oder ob man sich durch die engen Gassen einer südfranzösischen Kleinstadt zwängt. Entscheidend sind fast immer Grösse und Zuladung, die das Wohnmobil erlaubt. Entscheidender noch als die Kosten. Denn ein kompakter Kastenwagen kostet ungefähr genauso viel wie ein mittelgrosser Teilintegrierter.

Die Gewichtsbeschränkung gilt für alle: Ab 3,5 t ist ein Wohnmobil ein LKW – in Deutschland zwar vom Sonntagsfahrverbot ausgenommen, im Übrigen aber den Beschränkungen für LKWs unterworfen, auch im Ausland. Es will also gut überlegt sein, wie gross man einsteigt, und ob man vielleicht sogar die Angebote der Hersteller annimmt, ein Mobil auf ein höheres zulässiges Gesamtgewicht auflasten zu lassen.

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In Halle A1 der Reise- und Tourismusmesse REISEN HAMBURG 2019 ist die Auswahl riesig. Es gibt fast überall einen Messerabatt, teilweise bis 20%. Aber man muss schon sehr genau wissen, was man will.

Kastenwagen

Ein Kastenwagen (Van, Citycar…) ist üblicher Weise 2,05 bis 2,08 cm breit. Mit 5 m Länge fährt er sich wie ein PKW und lässt sich im Freien auch fast so parken. Mit 5,40 m muss man schon genauer hinsehen, kommt aber auf PKW-Parkplätzen oft noch unter. Das geht mit 6 m nicht mehr, da muss man Zeit und Wege für die Suche einplanen. Oft ist man auf grössere Parkflächen angewiesen, wie sie etwa für LKWs oder an Supermärkten, Sportplätzen, Konzerthallen oder Hafenanlagen zu finden sind.

Ein Kastenwagen ist wirklich schick, schlank, und im Prinzip citytauglich – immer vorausgesetzt, dass keine Durchfahrtbeschränkungen wie Dieselfahrverbote u. a. die Grenzen setzen. Er ist allerdings auch wenig geräumig. Bei fast allen Grössen unter 6 m muss man die Sitzgruppe abends zum Bett umbauen. Das bedeutet nicht nur ein paar Handgriffe, die jeden Tag 2x fällig werden, sondern auch den Verlust von Bewegungsfläche und Stauraum tagsüber. Denn das Bett muss ja irgendwo gelagert werden.

Stauraum ist überhaupt das Thema des Kastenwagens. Durch intelligente Innenaufteilung kann wohl einiges gewonnen werden, aber zumindest bei den neueren Modellen, bei denen der Waschraum durch Schwenken der Wand zur Dusche umgebaut werden kann, scheinen die Möglichkeiten ausgereizt zu sein. Und auch das Gewicht spielt eine Rolle, denn einige sind nur bis 3,3 t Gesamtgewicht zugelassen. Das erfordert Einschränkungen beim Gepäck, und man wird während der Fahrt ggfs. auf einen vollen Wassertank verzichten müssen.

Bei der 6-m-Länge (d.h. schon ab etwa 5,90 m) ist das Bett im Heck fest verbaut und darunter Stauraum, der immer zur Verfügung steht. Die Mittelsitzgruppe ist dauerhaft nutzbar, auch für Leseratten, die nachts nicht ins Bett finden. Das zulässige Gesamtgewicht liegt meist bei 3,5 t und geht damit ans Limit dessen, was mit einem PKW-Führerschein neueren Datums noch gefahren werden darf. Zwei Personen kommen mit dem Stauraum aus, wenn sie nicht allzu anspruchsvoll sind. Allerdings ist die Bewegungsfläche begrenzt. Die schmale Bauform macht sich vor allem dann ungünstig bemerkbar, wenn man wegen Schietwetters Zeit im Innenraum verbringen will.

Bis 6 m Länge kommen Wohnmobilisten in den Genuss günstiger Preise bei Maut und Fähren. Die meisten Fahrzeuge der 6-m-Klasse haben daher effektive Längen von 5,90 m bis 5,99 m, um unter der kritischen Marke zu bleiben. Aber daran denken: Ein Fahrradträger, der aussen am WoMo angebaut ist, macht das Fahrzeug länger. Zumindest an den Mautstellen und Fährterminals, an denen die tatsächliche Länge z. B. durch elektronische Messung festgestellt wird, ist der Kostenvorteil damit verloren.

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Fazit: Der Kastenwagen ermöglicht enge Durchfahrten ohne Stress, ist handlich und sparsam. Die Citytauglichkeit hat aber auch ihren Preis. Das ist ganz wörtlich gemeint, denn der Kaufpreis ist genau so hoch wie bei einem Teilintegrierten. Die räumliche Enge braucht Geduld. Je kleiner das Fahrzeug, desto mehr muss umgeräumt werden und desto mehr Zeit braucht man für die täglichen Verrichtungen. Die Komfortzone wird mit 6 m Länge erreicht. Unter 6 m ist das Fahrzeug nur bedingt geeignet für eine längere Reise. Unmöglich ist sie nicht. Zwei Personen, die im Umgang mit räumlicher Enge geübt sind, die mit mehrfachem täglichen Umräumen kein Problem haben und sich auch dann nicht gegenseitig auf die Nerven gehen, wenn sie sich immer mal wieder im Weg sind, können jeden Trip wagen. Wir haben ein Paar getroffen, das mit einem eng gepackten 5,60 m Van im nordeuropäischen Ausland gutgelaunt unterwegs war und den Aufenthalt sehr genossen hat. Dabei standen sie so manche Nacht nicht auf gut versorgten Stellplätzen, sondern autark.

Nur durch Erfahrung kann man feststellen, welches Fahrzeug den eigenen Bedürfnissen gerecht wird. Wir empfehlen Interessenten, sich vor dem Kauf einen Kastenwagen zunächst einmal zu leihen und damit eine mindestens einwöchige Probetour zu machen. Das kostet etwa 1000 Euro, die aber gut investiert sind.

Teilintegrierte

Teilintegrierte sind ein Kompromiss zwischen Kastenwagen und Vollintegrierten. Sie sind durch ihre grössere Breite bis etwa 2,35 m deutlich geräumiger als ein Van, dafür allerdings weniger handlich. Übliche Längen sind 6 m bis 7,60 m, es werden aber auch bis über 8 m Länge angeboten. Teilintegrierte passen nicht durch jede enge Gasse, haben aber meist kein Problem mit Stauraum. Den Durchbruch bringt hier die Heckgarage, die unter dem höher gelegten Bett im Heck liegt und die die Möglichkeit bietet, Fahrräder und Gepäck zu transportieren. Das Dach bietet Platz für Solarpaneele und Antennen. Der Innenraum ist gross und damit auch Schlechtwetter tauglich. Die grössere Breite ermöglicht es den Herstellern, eine Wärmeisolierung einzubauen und damit die Wintertauglichkeit zu erweitern. So richtig gemütlich wird es bei Kälte allerdings erst durch Zubehör wie die Wärmedämmung des Fahrerhauses und eine zweite 11kg-Gasflasche. Für passionierte Winterurlauber bietet sich eine elektrische Fussbodenheizung an, die die Gasheizung nicht ersetzt, aber entlastet. Die benötigt allerdings einen externen Stromanschluss.

Eine besondere Bauform sind Teilintegrierte mit Hubbett. Das soll Platz schaffen für Wohnraum, ohne dass ein Umbau erforderlich ist. Wir haben eine einwöchige Tour mit dem Ixeo Time 586 mit 6 m Länge gemacht und können den Gewinn an Wohnraum bestätigen. Allerdings fanden wir die Aufteilung mit grossem Tisch wenig optimal, da der Durchgang nach hinten erschwert wird. Auch brauchen wir mit zwei Personen nicht so viele Sitzgelegenheiten, und bei Belegung mit vier Personen muss dann eben doch umgebaut werden. Wenn das Hubbett herunter gefahren wird, müssen alle gleichzeitig ins Bett, denn der Tisch ist dann nicht mehr nutzbar. Überrascht waren wir von dem geringen Angebot an Stauraum. Hohe Schränke wären dem Hubbett im Weg, und der Wegfall der Garage ist deutlich spürbar.

Fast alle Fahrer von Teilintegrierten, die wir getroffen haben, lassen in der Stadt ihr Fahrzeug stehen und gehen dann zu Fuss oder nutzen die Öffentlichen. Man sucht sich einen möglichst zentral und doch verkehrsgünstig gelegenen Platz. Häufiges Umparken ist weniger üblich. Hier legt man Wert auf die Tauglichkeit für längere Reisen und das Bleiben an schönen Plätzen, am Strand etwa oder in der Natur. Freies, autarkes Stehen ist die Domäne des Teilintegrierten, da man genug Vorräte und Fahrräder mitnehmen kann und doch beweglicher ist als etwa ein Vollintegrierter.

Schlanke Teilintegrierte

Einige Hersteller verzichten darauf, jedes Wohnmobil in der vollen Breite von 2,30 m zu bauen, und bieten schlanke Modelle an. So etwa Bürstner den TravelVan oder Carado den V132. Diese Fahrzeuge sind etwas breiter als ein Kastenwagen, üblich sind 2,12 – 2,20 m, und ab 6 m lang. Sie sehen damit fast so aus wie ein Van und sind ebenso wendig, haben aber Garage und Wärmeisolierung und damit den Stauraum und Reisekomfort der Teilintegrierten. Gleichzeitig bringen sie ein geringes Leergewicht auf die Waage, so dass die Zuladung recht üppig ausfällt.

Nachteil ist der entsprechend schmalere Innenraum, der sich allerdings nur bei Schlechtwetter bemerkbar macht wenn sich das Leben komplett innerhalb des Fahrzeugs abspielt.

Wir fahren seit letztem Jahr einen V132 und können die Schmalbauweise empfehlen. Für zwei Personen ist das absolut ausreichend. Der Gewinn an Stauraum macht den schmaleren Innenraum allemal wett, und man kommt stressfrei auch durch enge Strassen.

Alkoven

Teilintegrierte mit Alkoven nehmen einen Sonderstatus ein. Sie sind als einzige wirklich familientauglich, weil sie zwei getrennte feste Schlafmöglichkeiten bieten. Sie sind meistens 2,30 m bis 2,35 m breit, die übliche Länge ist 6 m bis über 8 m. Und sie sind hoch, meistens über 3 m. Zugelassen sind sie fast immer für vier Personen, manchmal für sechs. Durch den Schlafraum über der Fahrerkabine wird Platz gewonnen, eine Garage ist Standard. Stauraum ist also genug da. Mit einer Belegung mit vier oder mehr Personen und einem zulässigen Gesamtgewicht von 3,5 t kommen sie allerdings auch schon sehr nah an ihre Zuladungsgrenze, so dass nur wenig Gepäck und kaum Wasser befördert werden kann. Hier ist kluges Rechnen angesagt, und ein Weniger an Länge bedeutet ein Mehr an Zuladung.

Da es für Familien kaum Alternativen gibt, es sei denn Vollintegrierte mit höherem zulässigen Gesamtgewicht, muss man sich eben behelfen. Wasser wird erst aufgenommen, wenn man angekommen ist, und die Vorräte werden vor Ort eingekauft. Freies autarkes Stehen ist eher unüblich.

Die Krux mit dem Gewicht

Je kleiner das Fahrzeug, desto höher die Zuladung. Das klingt verrückt, ist aber durch das höhere Eigengewicht grösserer Fahrzeuge und die Beschränkung auf 3,5 t begründet. Ein 6m langer V 132 etwa, der konsequent auf zwei Personen ausgelegt ist, ermöglicht eine Zuladung von fast einer Tonne. Ein Alkovenfahrzeug mit 4 oder 5 Schlafplätzen erreicht mit einer Zuladung von etwa 500 kg bereits sein Limit – kaum genug für 4 Personen und Gepäck. Dabei sollen die Fahrräder auch noch mit.

Einige Alkoven-Fahrzeuge werden mit höherem zulässigen Gesamtgewicht angeboten, etwa mit 3850 kg. Das ist relativ selten und nur bedingt empfehlenswert. Auch wenn man einen Führerschein hat, mit dem man diese Wohnmobile fahren kann (z. B. den alten „Dreier“), so ist man eben doch vielen Regelungen unterworfen, die die Mobilität einschränken. Vielfach – im Ausland fast immer – gelten die Regeln für LKW. Das kostet Zeit und Maut, und vielfach sind kleinere Strassen und Plätze ab 3,5 t gesperrt – oft grade da, wo man gerne hin möchte.

Bei dem eigenen Fahrzeug, das regelmässig mit höherem Gewicht gefahren werden soll, kann eine Auflastung Sinn machen. Vorteil: Die Auflastung ergibt eine netto-Zuladung. Das heisst, für ein 100 kg höheres zulässiges Gesamtgewicht können auch tatsächlich 100 kg mehr an Gepäck, Wasser usw. mitgenommen werden. Nachteile gibt es leider auch. Einen empfehlenswerten Ratgeber dazu gibts beim ADAC: Wohnmobil auflasten.

Es wäre schön, hier eine praktikable Lösung für alle anbieten zu können, aber die gibt es nicht. Dem Reisen zu zweit, mit oder ohne Hund, sind kaum Grenzen gesetzt. Wer mit der ganzen Familie verreisen will, wird voll ausgestattete Campingplätze ansteuern wollen und das Wohnmobil danach möglichst wenig bewegen.

Breite über Spiegel

Ein Hinweis noch für alle Typen von Wohnmobilen. Die Fahrzeugbreite, wie sie im Fahrzeugschein angegeben ist, gilt für die standardmässig fest verbauten Teile des Fahrzeugs, einschliesslich Aufbau. Sie gilt nicht für die Spiegel. Man muss noch einmal mindestens 40 cm Breite dazurechnen, teilweise sogar 45 – 50 cm. Ein Wohnmobil mit einer Breite von 2,30 m misst also über die Spiegel mindestens 2,70 m, vielleicht mehr. Auf engen Strassen, deren Fahrspuren nicht breiter sind als 2,50 m, ragt der linke Spiegel auf die Gegenfahrbahn. Einem entgegenkommenden LKW geht es genauso. Man riskiert einen zerbrochenen Spiegel.

Das ist nicht ganz problemfrei. Denn ein Wohnmobil mit einem kaputten linken Aussenspiegel ist nicht mehr fahrbereit.

Der Schaden ist häufiger, als man denkt. Als wir vor einigen Jahren mit einem gemieteten Wohnmobil in Norwegen waren, sagte uns eine Mitarbeiterin des Vermieters bei der Rückgabe, dass wir in diesem Jahr die ersten waren, die mit unbeschädigten Rückspiegeln aus Norwegen zurück kamen.

Unser Tipp:

Ein Wohnmobil erst einmal mieten!

Vielleicht hast du bestimmte Vorstellungen, was Bauform und Grösse des eigenen Wohnmobils angeht. Das solltest du vor dem Kauf erst einmal ausprobieren. Vielleicht gibt es ausserdem noch andere Möglichkeiten, auf die du bisher gar nicht gekommen bist. Wer sich zunächst einmal ein Wohnmobil leiht, der lernt nicht nur dazu, er vermindert auch das Risiko eines Fehlkaufs. Mit einem eher geringen Einsatz sparst du eine Menge Lehrgeld und profitierst von vielen Erfahrungen.

Ein Wohnmobil von Freunden leihen ist kompliziert und daher unüblich. Besser, alles läuft professionell und es gibt hinterher keinen Unmut. Dabei muss man aufpassen, dass die Nebenkosten im Rahmen bleiben. Das Ausleihen von Privatvermietern, die über einen erfahrenen Vermittler gehen, kann eine sehr gute Alternative sein. Die folgenden Angebote halten wir für die besten:

Paul Camper*

Camper Mieten ohne Zusatzkosten. Paul Camper macht runde Sachen. Kosten, die bei gewerblichen Vermietern zusätzlich anfallen, sind im Preis schon enthalten. Viele Standorte in Deutschland und Österreich, Mobile vom VW-Bus bis zum Vollintegrierten.

Campanada*

Campanada vermittelt Wohnmobile und Camper aller Art im In- und Ausland. Auch für individuell gestaltete Fernreisen in entlegene Gegenden finden sich hier die richtigen Mobile.

Wohnmobil kaufen

Wer ein Wohnmobil mietet, muss sich keine Gedanken um die Ausstattung machen – das meiste ist schon dabei.

Beim Kauf eines Fahrzeugs muss die gesamte Ausrüstung dazu gekauft werden – sogar Warndreieck und Verbandskasten.

Wenn es also sein muss, dann sollte es möglichst gut und billig sein. Die wichtigen Dinge haben wir in unserem Beitrag kommentiert und die günstigsten Angebote zusammengestellt.

Die Grundausstattung fürs Wohnmobil

Der Nachtwächter für alle Gas-Arten.

Reiseziele

Erst einmal eine einwöchige Tour durchs norddeutsche Elbetal. Diese Stellplätze haben uns gefallen:

https://www.fotonomaden.de/elbetal/Hitzacker im Biosphärenreservat Niedersächsische Elbtalaue-Wendland

Oder doch lieber zum Nordkap? Ein Roadtrip durch Skandinavien:

Skandinavien
Die Europastrasse 6 in der norwegischen Finnmark