Reiseberichte

Bretagne – Der Norden

Wenn Bretagne-Fahrer erzählen, kommen sie fast immer ins Schwärmen. Da gibt es herrliche Landschaften, abenteuerliche Küsten, freundliche Leute und das beste Essen – sogar für Selbstversorger.

Kurz gesagt: Da passt eigentlich alles – wenn da nicht die Einschränkung der Stellmöglichkeiten an den Stränden wäre. Wir haben jetzt herausgefunden, was dran ist.

Es ist Anfang September. Wir wollen die Nordküste abbummeln und dann an der wärmeren Südküste irgendwo ein paar Tage bleiben. Diesmal fahren wir in aller Ruhe nach dem Frühstück los. Unser erster Reisetag geht nur bis Maastricht. Der Stellplatz liegt direkt an der Maas, allerdings etwas ausserhalb der Stadt. Die 3 km gehen wir zu Fuss in die Innenstadt – ein Fehler, denn wir müssen über eine längere Strecke an einer stark befahrenen Strasse entlang. Immerhin, die Fussgängerampeln sind bemerkenswert reaktionsfreudig, und die Altstadt ist ein Tipp. Die Häuser sind restauriert und gepflegt, und es gibt reichlich Möglichkeiten, draussen zu sitzen. Grosse Parkplätze am Rande der Innenstadt, von denen einige für Wohnmobile freigegeben sind, ermöglichen den Besuch auch dann, wenn man weniger gut zu Fuss ist.

Der eigentliche Grund für unseren Zwischenstopp hier ist eine Kirche, die jetzt als Buchhandlung genutzt wird. Die Dominikanerkirche zwischen Markt und Vrijthof dient seit 200 Jahren rein weltlichen Zwecken. Heute findet man im Kirchenschiff 20.000 Bücher, kirchliche und andere, darunter viele Bildbände, in unterschiedlichen Sprachen. Das gotische Gewölbe aus dem späten 13. Jahrhundert verleiht den Büchern eine Wertigkeit, die im digitalen Zeitalter selten geworden ist.

Auf dem Rückweg gehen wir auf ein Bier ins Theatercafe. Man sitzt hier draussen, etwas abseits der Strasse, und erlebt ein entspanntes Publikum.

Wir würden empfehlen, den Besuch in der Innenstadt mit dem Wohnmobil zu machen, entweder gleich bei der Ankunft oder am Abreisetag. Als Parkplatz eignet sich der Sphinx Parkplatz Frontensingel mit der originellen Preisregelung von 1 € je 27 min. Der Tageshöchstsatz ist 14 €. Wer sich mehr Zeit lassen will, sollte versuchen, auf dem für Busse und Wohnmobile zugelassenen Park + Walk Stadspark unter zu kommen. Auch dieser Platz ist nahe der Innenstadt und kostet maximal 6,60 € pro Tag.

Am nächsten Tag fahren wir durch bis in den Osten der Bretagne. Unweit der N176 gibt es einen Stellplatz in Dol-de-Bretagne mit Ver- und Entsorgungsmöglichkeiten, einem nahe gelegenen Lidl und der Aussicht auf ein leckeres Abendessen in einem der Restaurants.

Dol-de-Bretagne ist klein, aber gepflegt. Im Oberstadtbereich sind die Strassen gepflastert, alte Häuser sind gut erhalten, es gibt alle Arten von Geschäften. Ein naturnah gestalteter Park mit See, Holzbrücken und Fischreihern am Ortsrand gleich hinter dem Stellplatz lädt zu einem ausgiebigen Spaziergang ein.

Leider stellt sich heraus, dass Dienstag offenbar ein beliebter Ruhetag ist und auch sonst im Hinblick auf die beginnende Nachsaison fast alles geschlossen hat. Ein Hotelrestaurant hat geöffnet, mit weissen Tischdecken und gut besucht. Darauf sind wir mit Hund und Outdoor-Kleidung nicht vorbereitet. Also kommt nur die einzige Alternative in Frage: Eine Pizzeria. Ganz ehrlich? Das war nicht das Abendessen, das wir uns erhofft hatten.

Ein neuer Tag, der erste in der Bretagne. Erst der Hundegang, dann Lidl, dann Frühstück. Jetzt zieht es uns ans Meer. Wir orientieren uns nach Norden, drehen eine Runde durch St. Malo und fahren dann über die La Rance Brücke, an der grade gebaut wird, an die Küste bei St. Lunaire. Es ist der östlichste Küstenabschnitt der nördlichen Bretagne, die Cote d’Emeraude, die Smaragd-Küste. St. Lunaire hat Vorzeige-Charakter. Die Strandpromenade wurde im Renaissance-Stil aufs Feinste hergerichtet, mit Gärten, Laternen, eine Marina. Das freut das Auge, nur Paco findet das eher etwas langweilig. Kein Thema – wir wollen heute ans Cap Frehel und fahren nach einem kurzen Gang weiter.

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Das Cap Frehel am nördlichsten Punkt der Cote d’Emeraude ist ein Vogelschutzgebiet mit zahlreichen Seevogelarten. Vor allem Krähenscharben nisten hier, eine Kormoran Art, und Silbermöwen. Es gibt zwei Leuchttürme, einen aus dem 17. Jahrhundert, der malerisch auf dem Felsen 70 m über dem Meer steht. Und einen zweiten, der 1950 erbaut wurde, 33 m hoch ist und zu bestimmten Zeiten bestiegen werden kann. Bei klarem Wetter kann man von oben die normannische Küste sehen.

Ein Wanderweg führt unmittelbar an den Klippen entlang und ermöglicht spektakuläre Ausblicke. Die Brandung wirkt aus dieser Höhe fast gemässigt. In der Ferne kann man im Südosten das Fort la Latte erkennen.

Wir fahren die Küste entlang mit teilweise grossartigem Ausblick, hauptsächlich auf der D786, bis kurz vor Plouha. In Palus Plage gibt es einen Stellplatz direkt am Strand mit zwei nahegelegenen Restaurants. Genau ein Platz ist noch frei. Hier bleiben wir eine Nacht.

In Landrichtung gibt es ein naturbelassenes Gebiet. Ein fast malerischer Fussweg entlang einer kleinen Schlucht führt durch eine Art Urwald und bietet sich für einen Spaziergang an. Man geht durch einen grünen Tunnel an einem Bach entlang. Verlaufen unmöglich, es gibt nur diesen Weg.

Abends kommt ein Bauer mit seinem PKW zum Stellplatz und verkauft aus dem Kofferraum Tomaten, Schalotten und Zucchini aus eigenem Anbau. Er nimmt auch Bestellungen für Baguettes und Croissants für den nächsten Morgen an. Ein kleiner Klönschnack ist immer üblich in der Bretagne – wir müssen bei nächster Gelegenheit unser Französisch aufbessern.

Wir kommen mit einem Paar aus der Bodensee-Region ins Gespräch und erfahren, dass dieser Platz mehrere Jahre gesperrt war und erst jetzt wieder für Wohnmobile geöffnet wurde. Sie haben den Eindruck gewonnen, dass in diesem Jahr die Lage bei den strandnahen Parkplätzen etwas entspannter ist als früher. Einige der Sperrungen sind aufgehoben worden, grade auch in landschaftlich reizvollen Gegenden. Und bei der Gelegenheit bekommen wir den Tipp, unbedingt nach Pointe de L’Arcouest zu fahren, von wo Personenfähren auf die Ile de Brehat ablegen.

Das machen wir dann auch. Am nächsten Vormittag parken wir bei L’Arcouest auf einem Parkplatz für 600 Fahrzeuge direkt am Meer. Die ersten beiden Stunden sind kostenlos. Von der Anhöhe über dem Parkplatz hat man Ausblick über die Küste, zum Meer hin besteht direkter Zugang. Es ist ein flacher, überwiegend steiniger Strand mit Felsen und Wiese.

Hier beginnt die Cote de Granit Rose, die Rosengranit-Küste, die sich bis Locquirec erstreckt. Markante Felsformationen aus rötlichem Granit, der die Färbung seinem Gehalt an Hämatit verdankt, gaben dem Küstenabschnitt den Namen.

Die Küste bei L’Arcouest

Die Ile de Brehat ist Fussgängern und Radfahrern vorbehalten. Zwar gibt es die Möglichkeit, vor Ort Fahrräder zu mieten, wir lassen die Insel aber aus. Das wäre vielleicht ein Ziel für nächstes Mal.

Die Rosengranit-Küste ist ein Touristenmagnet. Perros-Guirec wird als die Hauptstadt des Küstenabschnitts bezeichnet, wohl weil es in der Region die einzige grössere Gemeinde ist. Sie zählt 7.200 Einwohner, bei einer Bettenkapazität von 30.000 und 85.000 Gästen pro Jahr. Wir bleiben auf ein leckeres Crepe mit Schokolade und einen Cappuccino, dazu den Blick auf die Marina. Dann fahren wir noch ein Stück weiter bis Plestin-les-Greves. Der dortige Camping Municipal de St. Effam ist der Platz der Wahl für diese Nacht.

Wie sich herausstellt ist er auch die Wahl erfahrener Bretagne-Routiniers. Ein Paar aus dem Münsterland, auch mit Hund, hat sich den Platz gezielt als Ort der Zuflucht vor der einsetzenden Wochenend-Hektik ausgesucht, da er Ruhe und geschütztes Stehen gewährleistet.

Wie überall an dieser Küste ist der Unterschied der Gezeiten gewaltig. Fast 12 m Tiedenhub legen bei Niedrigwasser ausgedehnte Sandflächen frei, auf denen man weit übers Watt gehen kann. Wir nutzen die Gelegenheit am nächsten Morgen und gehen mit den Münsteranern ein Stück hinaus. Das Meer geht noch zurück, und wir finden allerlei Muschelschalen. Paco und Joy, die sich bestens verstehen, haben reichlich Platz zum Toben.

Cafe du Port in Brignogan Plages

Erst mittags fahren wir weiter. Es geht über Morlaix ins Departement Finistere, und wir nähern uns deutlich dem Westende. Roscoff soll zwar sehr schön sein, aber auch sehr touristisch. Wir lassen es für diesmal aus und fahren weiter westlich wieder an die Küste. In Brignogan Plages trinken wir im Cafe du Port einen Cafe au lait. Der Wirt ist ein begeisterter Konzertveranstalter, es steht fast jedes Wochenende Musik an. Der Klang der Bretagne, just for fun. Auch hier hat sich das Meer weit zurückgezogen. Der flache gelbliche Strand mutet fast etwas unwirklich an.

Das Navi kennt einen Stellplatz, den es scheinbar nicht mehr gibt. Jedenfalls fahren wir dieselben Strassen mehrfach und er ist nicht zu finden. Es regnet, und lange suchen wollen wir nicht mehr. Wir wählen daher den CP Municipal am Rathaus von Guisseny, an dem wir unterwegs vorbei gekommen sind. Er liegt zwar an der Strasse, aber eben auch in Fussentfernung zum Ortskern mit einem Restaurant und einem Bäcker.

Das offenbar neu gebaute Restaurant Du Puits chez Thomy ist nur ein paar Schritte entfernt, wir aktivieren aber doch den Regenschirm und kommen trocken hin. Und sind begeistert! Die Atmosphäre ist entspannt, der Chef hilfsbereit, das Essen sehr gut (nimm den Risotto als Beilage!). Von den drei Gängen, die ich bestellt habe, bekomme ich zwei nur zur Hälfte. Ute hatte nur eine Dorade genommen, sich dann aber doch für meine Vor- und Nachspeise interessiert. Der Chef hat vorsorglich ein zweites Gedeck gebracht. Und Paco bekommt Wasser. Alles gut – alle sind zufrieden.

Strand und Bucht von Guisseny

Le Quillimadec, ein kleiner Fluss, mündet hier in den Ärmelkanal. Als wir am nächsten Morgen mit frischem Baguette und Croissants zum Frühstück an die Bucht fahren, sind wir von der Schönheit überrascht. Auch hier wieder hat sich das Meer bei Ebbe weit zurückgezogen und eine riesige Sandfläche freigelegt. Unerwartet finden wir hier die geheimen Hinkelstein-Speicher von Obelix. In der morgendlichen Sonne – Regen war gestern – ein verlockendes Foto (siehe unten in der Galerie). Und offensichtlich ein heidnisches Land, jedenfalls in prähistorischen Zeiten. Ob die Römer hier wohl erfolgreicher waren als im kleinen Dorf von Asterix und Obelix? Die Bretagne gehörte jedenfalls nach der vollständigen Eroberung durch Caesar zur römischen Provinz Gallien, und auch das haben die teils 4000 Jahre alten Megalithen überstanden.

Auf unserem Weg zur Westspitze der bretonischen Halbinsel sehen wir mehrere kleine Stichstrassen zum Meer und Parkplätze am Strand, die für Wohnmobile offen sind. Auch den einen oder anderen Campingplatz, etwa den Camping de la Grève Blanche, könnte man sich einmal ansehen. Wir machen eine kurze Rast an einem Parkplatz mit Bank über dem Strand, an dem man einen schönen Ausblick hat. Der Wind ist allerdings recht kalt, so dass wir bald weiter fahren.

Aber nicht mehr weit. In Portsall stellen wir uns auf den Stellplatz Aire de Camping Cars de Kerros, der einen direkten Zugang zum Strand hat. Heute Abend sind wir Selbstversorger. Das gibt uns die Möglichkeit, den Abend in aller Ruhe zu verbringen und den Sonnenuntergang über der Bucht zu geniessen.

Tags darauf einige Strandfotos am Morgen, und nach dem Frühstück einen ausgiebigen Spaziergang. Dann fahren wir los zur Westspitze. Es sind nur 40 km zum Pointe Saint Mathieu, wir haben also reichlich Zeit, möglichst nahe an der Küste enlang zu fahren. Auch hier gibt es freie Parkplätze am Meer. Der Stellplatz am Dünensportgelände von Lampaul-Plouarzel kommt auf unsere Liste für nächstes Mal.

Das Licht der Bretagne: Düstere Wolken auf der einen Seite und
strahlend blauer Himmel auf der anderen.

Der Pointe Saint Mathieu vereint eine eigenartige Mischung aus Seefahrt, Religiosität und Militär. Da ist einmal der Leuchtturm, ein historisches Monument Frankreichs, der seit Mitte des vorigen Jahrhunderts in Betrieb ist und heute eine Tragweite von 29 Seemeilen hat. 163 Stufen erwarten den, der eben so weit sehen will.

Ferner ist da die Ruine einer Abtei aus dem 11. Jahrhundert, von der allerdings nur noch die romanische Fassade und einige Arkaden des Kirchenschiffs sowie Teile des Chorgewölbes erhalten sind. Dahinter ist das im vergangenen Jahrhundert wieder aufgebaute Kirchenschiff der ursprünglich grösseren und schöneren Kapelle Notre Dame de Grace.

Und schliesslich hat das Militär einen Bereich um den Semaphor, den Beobachtungsturm, für sich in Anspruch genommen. Direkt daneben gibt es in einem von Ludwig XV. erbauten Fort, das aufs Feinste restauriert wurde, ein Museum zum Gedenken an die Verschollenen der Marineinfanteristen.

Am schönsten ist aber ein Spaziergang um die Landspitze. Einer der grössten französischen Wanderwege, der „Zöllnerweg“ GR 34, führt hier entlang und ist leicht begehbar. Der Ausblick ist grandios.

Küste, Natur und kulturelles Erbe – die Landspitze St. Mathieu ist als West-Ende nicht nur ein herausragender Ort auf der Karte, sie ist ein Erlebnis.

Wir stellen uns heute auf den wenige km entfernten Stellplatz von Plougonvelin. Sehr schön mit Aussicht aufs Meer, Platz reichlich, und die Pizzeria am Ort bietet auch Muscheln mit Pommes an.

Einreisebestimmungen:

  • Personalausweis
  • EU-Führerschein

Alle Länder, die man auf der Fahrt in die Bretagne berührt – Niederlande, Belgien und Frankreich – haben das Schengener Abkommen unterzeichnet. Es gilt Reisefreiheit. Kontrollen bei der Einreise sind nicht zu erwarten.

Zollbestimmungen:

Für alle berührten Länder gelten die Zollbestimmungen der EU. Das heisst, dass alles, was für den persönlichen Gebrauch gedacht ist, nicht verzollt werden muss. Für Alkohol und Tabakwaren gelten wie immer Höchstgrenzen.

Hunde:

Für Hunde wird der Europäische Impfpass mit gültigen Impfungen benötigt. Bestimmte Kampfhunde dürfen nicht nach Frankreich.

Nach der Reise sollte der Hund entwurmt werden, um den auch in der Bretagne auftretenden Herzwurm sicher los zu werden. Lasst euch die Wurmkur gleich mitgeben, wenn ihr wegen der Impfungen beim Tierarzt seid.

Das Spiel mit dem Stöckchen geht am bestem im flachen Wasser. Bei Ebbe ist es noch ein ganzes Stück bis dahin – erklär ihm das mal!

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Unsere Stellplätze in der Bretagne

Die ausführliche Beschreibung findest du hier

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Katalonien: Hier gibt es Landschaft, Meer, Kunst, Religion, Geschichte, die am wenigsten angepassten Europäer und den besten Wein.

Das Kloster Sant Pere de Rodes 520 m über dem Meer

1 Kommentar Neues Kommentar hinzufügen

  1. Paul sagt:

    Hallo,
    schöner Beitrag. Bretagne – Der Norden oder Finistère.
    Das Département Finistère liegt auf der Spitze der bretonischen Halbinsel. Den Namen Finis Terrae (Ende der Erde) bekam es in römischer Zeit.
    Wir waren 2018 in der Bretagne , es war einfach nur sehr schön. Frankreich ist unsere Nummer 1 beim reisen. Mehr dazu auf unser HP. Paul

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