Fotowissen

Panoramafreiheit

Was darf ich fotografieren?

Grundsätzlich darfst du alles das, was du sehen kannst, auch fotografieren und die Fotos nutzen und veröffentlichen, wenn du dich beim Fotografieren mit beiden Füssen auf öffentlichem Grund und Boden befindest und keine Hilfsmittel benutzt. Das nennt man „Panoramafreiheit“.

Das gilt also auch für urheberrechtlich geschützte Werke wie Baukunst, Skulpturen und andere Kunstwerke. Es muss sich dabei um bleibend aufgestellte Werke handeln. Bei Bauwerken erstreckt sich diese Befugnis nur auf die äußere Ansicht.

Aber Achtung: Diese Freigabe gilt nur bei Aufnahmen von öffentlichem Grund und Boden aus!

Es gibt folgendes zu beachten:

  • Luftaufnahmen fallen nicht unter die Panoramafreiheit. Für Drohnen gelten besondere Regelungen. Dazu mehr im Artikel Drohnen und Recht.
  • Das Fotografieren von Privatgrundstücken aus ist ausgenommen. Damit fallen Fotos, die auf Innenhöfen von Schlössern, oder auch von privaten Aussichtspunkten (Balkone, Hotelfenster…) gemacht wurden, nicht unter die Panoramafreiheit.
  • Es ist nicht immer ganz eindeutig, wann es sich um öffentlichen Grund und Boden handelt. Selbst scheinbar öffentliche Wege können Privatbesitz und damit kein öffentlicher Raum sein (z. B. Feld- und Waldwege, aber auch Zuwegungen zu Schlössern, Museen usw.)
  • Das Abbilden „Flüchtiger Kunstwerke“, also z.B. zeitlich begrenzte Installationen, ist nicht von der Panoramafreiheit gedeckt. 
  • Für das Innere von Gebäuden wird grundsätzlich eine Fotoerlaubnis benötigt. Es steht dem Eigentümer frei, ob und mit welchen Einschränkungen er das Fotografieren erlaubt. Das gilt auch für öffentliche Gebäude, Museen, Kirchen, Schlösser usw. Er kann also den Personen, die sein Grundstück betreten, das Fotografieren für private oder auch für kommerzielle Zwecke erlauben und vorschreiben, ob sie Stativ, Blitz oder andere Hilfsmittel einsetzen dürfen, und er kann für diese Erlaubnis ein Entgelt verlangen.
  • Im Ausland gelten oft andere Regeln. In manchen Ländern bezieht sich die Panoramafreiheit nur auf bestimmte Werke wie Kunst- oder Bauwerke. In Belgien gilt sie beispielsweise nicht für Baukunst. Die Verbreitung von Bildern des Atomiums ist somit nicht von der Panoramafreiheit gedeckt. Mehr dazu findest du hier: Panoramafreiheit.
  • Das Persönlichkeitsrecht abgebildeter Personen wiegt schwerer als die Panoramafreiheit. Personen dürfen nur mit ihrer Einwilligung fotografiert werden.

Einen detailreichen und anschaulichen Artikel zu diesem Thema findest du hier: Was darf ich fotografieren?

Einige Beispiele und Besonderheiten:

  • Der Eiffelturm, der seit 1985 bei Dunkelheit von der Lichtshow des Künstlers Pierre Bideau erleuchtet wird, darf nachts nicht fotografiert werden. Es sei denn, man hat zuvor die Erlaubnis der SETE (Société d’Exploitation de la tour Eiffel) eingeholt.
  • Wenn ein Künstler wie Cristo den Reichstag oder andere Gebäude verhüllt – eine zeitlich begrenzte künstlerische Installation – hat er das Urheberrecht an dem Werk und damit auch das Recht, die Verbreitung von Fotos des Werkes zu kontrollieren.
  • Überraschend dagegen: Traumschiffe wie die „Aida“ dürfen fotografiert werden, auch wenn sie z. B. mit einem Kussmund künstlerisch bemalt sind. Nach einem Urteil des BGH im Jahr 2017 ist das Fotografieren des Schiffes von der Panoramafreiheit gedeckt.
  • Bei der Deutschen Bahn darf nur in öffentlich zugänglichen Bereichen fotografiert werden, ohne Hilfsmittel wie Licht, Stativ oder Drohnen, und nur zu privaten Zwecken. Die Veröffentlichung auf eigenen Webseiten ist nur mit Einschränkungen zulässig. Ein Blick auf die Einzelheiten lohnt sich: DB-Info
  • Schloss Sanssouci in Potsdam darf keinesfalls vom Grundstück (Schlossgarten, Innenhof) aus fotografiert werden, auch wenn es Eigentum der Öffentlichkeit ist. Der BGH hat 2013 der Betreibergesellschaft das alleinige Verwertungsrecht an den Fotos zugesprochen. Das Urteil ist umstritten, aber rechtskräftig. Lesenswert:  Die Abmahner von Sanssouci

Bildbearbeitung

Bei allen Bau- und Kunstwerken gilt: Jede Verfremdung der Werke ist verboten. Das Kölner OLG  hat 2012 im Rahmen des in Köln bekannten Schriftzugs „Liebe deine Stadt“ entschieden, dass herkömmliche Methoden der Bildbearbeitung legitim sind, nämlich die Wahl des Bildausschnitts, Änderungen der Helligkeits-, Farb- und Kontrastwerte durch Einstellung der Brennweite und Belichtungszeit sowie jede Art von Vergrösserung und Verkleinerung. Nicht erlaubt sind Farbfilter, nachträgliche Retuschen sowie die Anwendung moderner Verfahren der digitalen Bildbearbeitung.

Man könnte vereinfacht sagen: Die klassischen Gestaltungsmittel bei der Aufnahme sind erlaubt, die Bearbeitung nach der Aufnahme durch Software ist verboten.

Ob dieses Urteil zeitgemäss ist? Den Kölner Richtern ging es vor allem um eins: Fremde Kunstwerke sollen naturgetreu abgebildet werden. Mehr dazu hier

Privat oder doch schon kommerziell?

Ob du mit der Veröffentlichung auf deiner Webseite die Fotos nur privat oder kommerziell nutzt, kann wohl nur im Einzelfall entschieden werden. Ein Anhaltspunkt ist sicher, ob deine Seite Werbung enthält. Wer mit Inhalten, die durch Rechte geschützt sind, Geld verdienen will, sollte auf jeden Fall im Besitz einer schriftlichen Freigabe sein. Das gilt für Eigentumsrechte und Hausrechte. Persönlichkeitsrechte und Urheberrechte müssen immer freigegeben sein.

So ist derzeit die Lage. Die Gesetze, die sich auf europäischer Ebene mit dem Fotografieren befassen, sind allerdings noch nicht so ausgereift wie einst die nationalen Gesetze. Man sollte wohl in naher Zukunft von einiger Bewegung in Rechtsfragen ausgehen.

6 Punkte, auf die Du achten solltest:

  • Fotos bekannter oder unbekannter Urheber darfst du nicht kopieren, abfotografieren oder scannen, um sie zu nutzen, auch wenn sie im Internet oder in Druckwerken verbreitet wurden. Ausnahme: Der Urheber ist vor mehr als 70 Jahren verstorben.
  • Die Panoramafreiheit setzt voraus, dass du dich vollständig auf öffentlichen Grund befindest und keine Hilfsmittel benutzt.
  • Persönlichkeitsrechte nicht verletzen. Personen dürfen nur mit ihrer Einwilligung erkennbar abgebildet werden, davon sieht das Persönlichkeitsrecht keine Ausnahmen vor. (Früher war keine Freigabe erforderlich, wenn Personen nur Beiwerk waren, wenn also die Aussage des Bildes auch ohne die Person zustande kam. Das ist im Moment aufgrund europäischen Rechts nicht mehr so.)
  • Haus- und Eigentumsrechte beachten
  • Natur und Umwelt verdienen unseren besonderen Schutz, in Schutzgebieten und auch ausserhalb.
  • Beim Fotografieren Menschen oder Tiere nicht behindern, belästigen, gefährden oder gar verletzen oder schädigen.Und auch sich selbst nicht in Gefahr bringen. Die Deutsche Bahn hat das explizit geregelt. Es sollte sich von selbst verstehen.

Haftung

Ich habe mich bei diesen Hinweisen auf Beispiele beschränkt. Sie sind weder vollständig, noch kann ich für den Bestand der rechtlichen Regelungen eine Haftung übernehmen. Es gelten die Gesetze und die jeweils aktuelle Rechtsprechung.

Die Gesetzestexte findest du hier

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