Europa

Traumziel Andalusien

Sonne, Hitze und maurische Baukunst in Andalusien, der südlichsten autonomen Gemeinschaft Spaniens.

Und eine Wüste, die keiner kennt und die doch fast jeder schon gesehen hat

Die Bratpfanne Andalusiens

Die Hitze ist an der Schmerzgrenze. Cordoba ist auch im September noch für 40° C gut. Natürlich haben wir uns mit sommerlichem T-Shirt und kurzer Hose bestens auf Andalusien vorbereitet, und in der Kathedrale wird es auf jeden Fall kühler sein. Aber wir sind zu dritt unterwegs. Unmöglich, den Hund im Auto zu lassen, und in die Mezquita darf er nicht rein. Da hilft es leider nicht, dass der Stellplatz für Wohnmobile in bequemer Fussentfernung zur Altstadt liegt. Wir müssen uns etwas Anderes einfallen lassen.

Auf der anderen Seite des Stellplatzes grenzt ein Park an mit Wiese, Büschen, Bäumen und sogar einem eingezäunten Hundeplatz. Der bietet mit einer Sitzbank und Schatten auch für Zweibeiner allen Komfort. Hier lässt es sich aushalten. Die Mezquita läuft ja nicht weg.

Die Mezquita war einer der Gründe, weshalb wir uns dieses Jahr für Andalusien entschieden haben. Ursprünglich die Hauptmoschee aus der Epoche des maurischen Spanien, wurde die Mezquita anno 1236 zur Kirche geweiht, und auf das Minarett wurde ein Kreuz gesetzt. Ganz gewaltfrei ging das nicht, es geschah im Zuge der Eroberung Cordobas durch die Christen unter Ferdinand III. von Kastilien. Im Laufe der folgenden Jahrhunderte wurden alle Gebiete Spaniens christianisiert und die Mezquita immer wieder umgebaut. Im Innern wurde durch eine Art Entkernung Platz geschaffen für eine Kathedrale. Dabei blieben viele Elemente aus maurischer Zeit erhalten.

Die Mezquita-Catedral ist etwas Besonderes. Sie ist als christlich-maurisches Bauwerk dieser Qualität einmalig und gehört seit 1984 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Leider können wir sie auch später am Tag nicht besuchen. Abends wird es kaum kühler, und um 19 Uhr wird abgesperrt.

Eins ist auf jeden Fall klar: Wir sind nicht zum letzten Mal in Cordoba gewesen. An diesem Abend bleibt es bei einem Besuch der Römischen Brücke und des Stadtmuseums im Torre De Calahorra, und anschliessend spazieren wir durch die Altstadt, die mit ihren Bars und Restaurants in engen Gassen vor dem Hintergrund der historischen Architektur eine fast nostalgische Atmosphäre ausstrahlt.

Cordoba ist für seine Hitze und die trockenen Sommer bekannt. Die durchschnittlichen Höchsttemperaturen sind die höchsten in ganz Europa – im Juli 2017 wurden 46,9 °C gemessen – und auch die Nacht bringt keine echte Abkühlung. Die nahegelegene Stadt Ecija, eigentlich die Stadt der Türme, hat den Beinamen „Die Bratpfanne Andalusiens“.

Naturparks im Norden

Warum es ausgerechnet der Cimbarra-Wasserfall sein soll, den wir sehen wollen, kann man nicht so genau sagen. Er liegt jedenfalls in der Sierra Morena im Naturpark des Rio Guarrizas ganz im Norden der Autonomen Gemeinschaft Andalusien, nahe der Grenze zu Kastilien-La Mancha. Der Bach soll unterhalb des Wasserfalls einen kleinen See bilden, und alles ist zugänglich, eine kleine Fusswanderung vorausgesetzt.

Das ist genau Pacos Kragenweite. Wandern, schwimmen – bei dieser Hitze ist das fast unverzichtbar – und Abenteuer.

Felsige Landschaft in der Provinz Jaen. Die Cascada de la Cimbarra liegt suedlich von Aldeaquemada auf einer Höhe von 663 m.

Auch wir freuen uns schon auf eine Erfrischung, und auf eine hoffentlich grandiose Aussicht.

Wir sind nicht die Einzigen, die da wandern. Und schon nach der ersten Begegnung noch lange vor unserem Ziel wird allerdings klar: Der Rio Guarrizas führt kein Wasser. Nach monatelanger Trockenheit ist auch der Bach vollständig trocken. Und was ein Wasserfall hätte sein sollen ist einfach nur eine Felsspalte.

Leute, so war das nicht gebucht! Aber Ärgern nutzt da nichts. Wir sparen uns allerdings die Kraxelei ganz hinunter zum trockenen See und steigen stattdessen höher zum Felsplateau des Mirador del Desfiladero hinauf. Hier hat man die Aussicht über den Naturpark – grün, nicht braun! – und man überblickt den trockenen Bachlauf, die Felsen und Teile des Wanderweges. Es ist schön hier, die Luft ist frisch, auch wenn kein Wind weht.

Und doch ist dies schon die zweite Erwartung an Andalusien, die enttäuscht wird. Genug davon! Mehr Pannen müssen nicht sein. Klar ist auch, dass Paco entschädigt werden muss.

Wir fahren weiter zum Naturpark Despenaperros. Dort gibt es etwa 5 km westlich der Stadt Santa Elena ein Erholungsgebiet mit einem Wanderparkplatz und dem Rastplatz La Aliseda. Hier fliesst der Bach La Campana, ein kristallklares Gewässer über einem steinigen Bett. Paco hat es sofort entdeckt. Wenn es irgendwo Wasser gibt, dann findet er es. Es gibt bewaldete Hügel, Schatten, Bänke, Feuerstellen mit Grillplatz, eine Station zur Beobachtung von Vögeln, und auf dem Wanderparkplatz können wir übernachten. Dieser Luxus mitten in der Natur ist überwältigend.

Granada

Die Alhambra, die berühmte Stadtburg aus der Zeit der Mauren, liegt auf dem Sabikah-Hügel über der Altstadt von Granada. Sie ist 740 m lang und eines der bedeutendsten Beispiele maurischer Baukunst. Im Mittelalter diente die Oberstadt als geschützter Raum für die Wohnstätten der systemwichtigen Handwerker und Adligen, und in der befestigten Zitadelle, der Alcazaba, residierten die Machthaber. Erst zum Ende des 15. Jahrhunderts machte die Schreckensherrschaft der christlichen Inquisition der kulturellen Vielfalt in Granada ein Ende. Der letzte maurische Herrscher Muhammad XII musste kapitulieren und übergab die Alhambra am 2. Januar 1492 an die katholischen Könige. Damit fiel die letzte Bastion der Mauren in Spanien.

Die Alhambra ist eine der meistbesuchten Attraktionen Europas und Weltkulturerbe der UNESCO.

Wir sind früh aufgestanden, haben online gebucht, der Parkplatz für Wohnmobile und Busse ist frei, der Morgen noch kühl. Diesmal kann Paco im Auto bleiben, mittags sind wir zurück. Die Tickets sind nach einer kurzen Corona-Schlange zügig ausgestellt, danach ist an allen Zugangsstellen nur noch der Personalausweis gefragt. Einschränkungen gibt es weiter keine, aber auf Abstand achten die Spanier sehr. Die Ansteckungsrate ist in diesem Herbst 2021 deutlich niedriger als in Deutschland.

Die Anlage insgesamt, die Atmosphäre und die baulichen Details der Lebensräume, interessieren uns mehr als das Innere des Palastes. Prunk und Symbole der Macht fehlen hier ganz, die Formen des Lebens in der Oberstadt sind immer noch erkennbar. Indem die Herrscher ihre Untertanen schützten, schützten sie sich selbst. Wir kennen keine Anlage, wo das so deutlich wird wie hier.

Noch bevor es heiß wird sind wir wieder am Wohnmobil. Der Besuch in der Altstadt von Granada fällt entsprechend kurz aus, dann fahren wir zum Campingplatz Las Lomas, eine Strecke ausserhalb am Berghang, mit Blick auf den Canales Stausee und die Nordhänge der Sierra Nevada. Ein leichter Wind weht, es ist erfrischend kühl.

Sierra Nevada

Wer die Höhenzüge im Nationalpark Sierra Nevada erkunden will, muss dies entweder zu Fuss tun oder mit dem Mountainbike. Mit dem Wohnmobil ist in den Bergdörfern Schluss, spätestens aber an der Hoya de la Mora in 2.500 m Höhe. Von da geht es, wenn man will, mit Bussen des Nationalparks weiter.

Wir schlängeln uns nach Trevelez hoch, einem Bergort in eher bescheidener Höhe von 1.476 m. Die Strasse ist hier zu Ende, und wir finden einen Stellplatz auf einem Parkplatz, der halb in den Hang hineingeschnitten und halb an die Böschung angebaut ist. An einem Tag der Woche ist hier Markt, dann wird jeder Platz gebraucht. Der Markt war gestern, wir können bleiben.

Das Bergdorf Trevelez in der Sierra Nevada im Suedosten der Provinz Granada.

Der maurische Ursprung des Ortes ist der Bauweise immer noch anzusehen. Die weiss getünchten Häuser schmiegen sich an den Berghang, die Gassen sind eng und verwinkelt, kleinere Fahrzeuge quetschen sich aber durch und achten darauf, dem Besucher nicht über die Zehen zu fahren, Treppen führen in die zweite Reihe.

Trevelez ist in ganz Spanien bekannt für seinen luftgetrockneten Serrano-Schinken. Es soll der beste überhaupt sein, und die Qualitätskriterien, die zu Zeiten der Manufaktur in den 50er Jahren galten, werden noch immer aufrecht erhalten. Die Bergbauern sind traditionell Selbstversorger: Schafe, Ziegen und Schweine liefern Wolle, Käse und Fleisch. Und alles kann man in bester Qualität kaufen.

Inzwischen ist der Ort auf 732 Einwohner angewachsen, und auch Handwerker und Kleinbetriebe haben sich angesiedelt. Es gibt mehrere Cafes und Gaststätten, einzelne Läden und ein eng gepacktes Lebensmittelgeschäft, das sich grosszügig Supermarkt nennt.

Cabo de Gata

Aus dem Gebirge fahren wir ans Meer. Das Cabo de Gata ist ein Kap an der Mittelmeerküste von Andalusien südöstlich von Almeria, das von dem Parque Natural de Cabo de Gata-Nijar umgeben ist. Die langgezogenen Sandstrände an der Westseite des Naturparks locken an den Wochenenden auch ausserhalb der Saison jede Menge Besucher aus Almeria an. Unglaubliche 2900 Sonnenstunden im Jahr, ein paar davon sollte man wohl nutzen.

Entsprechend ist die Vegetation am Cabo einzigartig. Die Halbwüstenflora ähnelt der in der Sahara-Randzone, u. a. mit der in Europa nur hier heimischen Zwergpalme, die grade einmal einen halben Meter hoch wird. In der Ebene wird Obst- und Gemüse angebaut – vorzugsweise ökologisch. Das Gebiet hat den Status als Biosphärenreservat.

Wanderwege führen durch den Naturpark, und an der Südseite gibt es einige sehr schöne Sandstrände, die man nur zu Fuss erreichen kann.

Am Kap selber steht der Leuchtturm Cabo de Gata, es gibt ein Restaurant und nahe am Strand mehrere steinige Parkplätze, die mit ausreichend Bodenfreiheit befahren werden können. Wir stehen hier über Nacht und geniessen die Stille und den Ausblick.

Die Wüste von Tabernas

Eine gute Autostunde nordwestlich vom Cabo de Gata liegt die Wüste von Tabernas, die einzige Wüste Europas. 38° C, braune Hügel, verbrannte Erde, steinige und staubige Täler gleich neben der Strasse.

Das sieht nicht so aus, als ob hier irgendetwas überleben könnte. Und doch sollen hier zahlreiche geschützte, teils sogar endemische Arten leben. Vom Rand her haben unerschrockene Bauern Olivenbäume gepflanzt und ihre Plantagen in die Wüste hineingetrieben, jeder Olivenbaum sorgsam gehegt und einzeln bewässert. Der Rand der „Badlands“, so die englische Bezeichnung der Geologen, ist damit fruchtbar gemacht und landwirtschaftlich genutzt.

Hier in dieser Glut gibt es einen Wohnmobil-Stellplatz, und wer schon einmal in der Wüste war geniesst den scheinbar kargen Platz als puren Luxus! „Little Texas“, so der Name, wird von einer Texanerin und einem Deutschen betrieben, selber erfahrene Mobilisten. Die beiden machen absolut alles möglich, was man zum Wohlfühlen braucht, inklusive Stromanschluss, WLAN, einer einfachen und stilechten Bar und Brötchenservice (auch Croissants!) am Morgen. Sogar einen Pool gibt es. Das Wasser stammt wie auch das Trinkwasser aus einem 145 km entfernten Stausee im Norden. Das Beste aber ist die Atmosphäre, die jedem gleich hinter dem Tor signalisiert: Du bist angekommen.

Julie, die Chefin, verkauft u. a. das Olivenöl, das hier produziert wird. Es ist ein aromatisches Öl, herb und abgerundet. Wer grössere Mengen will, kann diese und andere Sorten sowie verschiedene Weine aus der Region direkt bei der Kooperative an der Hauptstrasse kaufen.

Die „Badlands“ von Tabernas sind Drehort mehrerer Hollywood-Filme

Die Wüste von Tabernas haben auch Hollywood-Regisseure entdeckt. Spiel mir das Lied vom Tod, Vier Fäuste für ein Halleluja, Indiana Jones und der letzte Kreuzzug und andere wurden hier gedreht. Der Brunnen von „Lawrence von Arabien“ ist in die Jahre gekommen, aber einige Studios werden auch heute noch genutzt. Fort Bravo, einer der touristisch erschlossenen Drehorte, kann bequem angefahren werden.

Malaga

Unser Besuch in Malaga fällt eher kurz aus. Eigentlich wollten wir einiges sehen, die Altstadt, die Alcazaba, das Geburtshaus von Pablo Picasso, die Kathedrale und den Hafen mit dem Riesenrad. Auch die Stadtrundfahrt soll ja toll sein. Malaga gilt wegen seines Klimas als eines der wichtigsten Urlaubsziele Spaniens und ist jedenfalls die grösste Stadt an der Costa del Sol.

Daraus wird leider nichts. Der Stellplatz ist direkt am Strand gelegen, aber unglaublich zugemüllt. Wir fahren in Schlangenlinien zwischen Glasscherben durch und parken schliesslich links neben einem älteren Kleinbus und rechts neben einem Scherbenhaufen direkt hinter der Grasnarbe, die noch mehr undefinierbaren Unrat enthält. Am Rand des Platzes ist ein Partyzelt aufgebaut, das den einzigen halbwegs sauberen Raum zu belegen scheint und das laute Musik verdröhnt. Mit dem Hund rausgehen ist uns zu riskant, der muss aber mal. Und zwischen dem ganzen Müll zu wohnen finden wir auch nicht gut.

Es nutzt alles nichts, wir schlängeln uns wieder raus, finden Richtung Flughafen eine Wiese, auf der wir mit Paco rausgehen können, und übernachten dann auf dem Campingplatz in Torremolinos. Der liegt zwar nicht am Strand, ist aber sauber und hat sogar ein Bistro.

Am nächsten Tag fahren wir nicht mehr zurück nach Malaga. Jetzt wollen wir ins Landesinnere zum Camininto del Rey (den man frühzeitig buchen muss) in den Bergen bei Ardales und abends nach Ronda.

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Ronda

Fast jeder, mit dem wir nach der Reise gesprochen haben, hat uns gefragt: Wart ihr auch in Ronda? Na klar!

Die Stadt ist ist eigentlich eines der weissen Dörfer, mit gut 33.000 Einwohnern eines der grösseren. Sie ist zweigeteilt durch eine 80m tiefe Felsenschlucht, El Tajo, und diese Zweiteilung kann man sehen und begehen. Das ist das Eine, was Ronda verdientermaßen berühmt macht. Das Andere sind mehrere internationale Künstler, die hier lebten und arbeiteten, Ernest Hemingway, Orson Welles, Rainer Maria Rilke, Ava Gardner, Madonna und andere. Filme wurden hier gedreht, Erzählungen nach hier verlegt.

Vom Stellplatz am östlichen Stadtrand muss man sich auf einen zügigen Fussmarsch von 30 min einstellen. Die Bewegung tut zweifellos gut nach der Fahrt, doch die zahlreichen Bars, Cafes. Eisdielen und Pizzaläden in der Innenstadt machen es nicht leicht. Wir widerstehen dem zunächst und gehen ein Stück in die Schlucht hinein. Später finden wir ein Restaurant ganz oben, direkt neben der alten Brücke, mit Blick hinunter bis zum Fluss ganz in der Tiefe, und man sieht auch über die Schlucht hinaus das Land dahinter. Ein Tisch am Fenster ist unserer. Der Koch hat eine Paella in Arbeit, das kommt uns wie gerufen.

Estepona, der Garten der Sonnenküste

„Klein, aber fein“ könnte man Estepona beschreiben. Es besitzt Strände über eine Länge von 21 km, einen Jachthafen, Parks, Tapasbars, Strandlokale. Zwei der Strände wurden mit dem Umweltsiegel der blauen Flagge ausgezeichnet.

Stadt und Strände sind gepflegt. „El Jardin de la Costa del Sol“ nennt man die Stadt auch und nimmt damit Bezug auf die Neugestaltung der Innenstadt mit Blumen und viel Keramik im andalusischen Stil. Hier gibt es keine Bettenburgen, stattdessen begrünte Wohngebiete bis hinunter zum Strand.

Wir finden einen Parkplatz in einer ruhigen Sackgasse in Strandnähe, die Grundstücke durch Hecken vor Blicken geschützt und kaum Verkehr. Nur einzelne Badegäste und Hundegänger kommen hier lang. Hier stört man keinen, und man wird nicht gestört.

Ein üppiger Salat in der Strandbar ganz in der Nähe, dazu Brot und ein Glas Tinto runden den Tag in angenehmer Atmosphäre ab.

Tarifa, Südende des europäischen Festlands

Tarifa ist der südlichste Punkt von Andalusien und des europäischen Festlands überhaupt. In Sichtweite, nur 14 km Luftlinie, ist schon Afrika. Hier kommen das Mittelmeer und der Atlantik zusammen. Es ist eine Stelle, an der sich Wale und Delphine tummeln sollen. Whalewatching wird angeboten.

Ein Stück die N-340 den Hang hinauf erlaubt ein Parkplatz bei El Cuarton einen Ausblick auf den Naturpark von Estrecho und die Landspitze von Tarifa. Man sieht die Containerriesen auf der Wasserstrasse zwischen Marokko und Spanien und hinter ihnen die Nordküste Afrikas.

Der Stellplatz, umgeben von Hochhäusern und ohne Schatten, ist nicht unser Ding. Etwa 5 km weiter an der Atlantikküste finden wir einen Surferplatz mit einem kleinen Hotel und Parkplätzen, die für Wohnmobile geeignet sind. Herrlicher Strand, ein schattenspendender Park und reichlich Auslauf für Paco sind die Argumente für eine längere Pause. Ein Paar aus England, die hier schon einige Tage stehen, erzählen voller Begeisterung von der Umgebung, der Natur und von ihrer Reise. Von den jungen Deutschen Surfern, die mit ihrem VW-Bus nebenan stehen, sind sie weniger begeistert. Sie machen angeblich ziemlichen Unrat.

Allgemein ist die Atlantikküste Andalusiens sauberer als die Mittelmeerküste, jedenfalls in den touristisch stark frequentierten Gebieten. Dass hier ausgerechnet Deutsche schlecht aufgefallen sind, beunruhigt uns schon. Denn die beiden Engländer, die auch ihren Hundekot gewissenhaft einsammeln, haben einen eher sorgsamen Eindruck gemacht.

Etwa 20 km weiter am Atlantik liegt der Küstenort Bolonia. Ein privater Stellplatz, mit viel Sachkenntnis gebaut, ist die beste Stellmöglichkeit im Ort. Hier bleiben wir für diese Nacht. Der internationale Platzwart, ein Spanier mit einem deutschen Hymer und französischem Kennzeichen, sorgt dafür, dass jeder zurechtkommt.

Sandstrand und Wasser, das am Abend sogar wärmer ist als die Luft, Auslauf für Paco, Strandbars – alles da. Allerdings haben die Restaurants nur bis höchstens 19 Uhr geöffnet, wir sind also wieder auf Selbstversorgung angewiesen. Kein Problem, ein Lebensmittelmarkt ist um die Ecke. Nur dass hier ausserhalb der grossen Städte fast durchgängig abends keine Küche mehr angeboten wird, das ist schon schade.

Sanlucar de Barrameda, die Stadt der grossen Seefahrer

Sanlucar de Barrameda hat einen Strand wie im Bilderbuch, Sand natürlich, mit Strandhütchen, Booten, Pony- und Pferdereitern und jeder Menge Cafes, Bars und Restraurants. Und es hat Geschichte.

Christoph Columbus startete hier zu seiner dritten Amerikafahrt, und Ferdinand Magellan stach am 20. September 1519 zur Weltumsegelung mit fünf Schiffen in See, um durch die nach ihm benannte Magellanstrasse im südlichen Polarmeer den Pazifik zu erreichen. Die „Victoria“ konnte nach drei Jahren als einziges der Schiffe die Reise vollenden und erbrachte den abschliessenden Beweis, dass die Erde eine Kugel ist.

Magellan selber überlebte die Reise nicht. Er fiel im Kampf mit Kriegern der Philippinen.

Abenteuerlust und Expeditionen kennzeichnen Sanlucar de Barrameda. Und die Herstellung des lokalen Manzanilla Sherrys, den wir in einer der Strandbars gerniessen.

Später entscheiden wir uns für den Stellplatz im benachbarten Chipiona. Der nahe der Marina gelegene Platz ist gesichert wie ein Autoknast, liegt aber direkt am Wasser und hat meerseitig einen Ausgang für Menschen und Hunde. Das kommt Paco entgegen.

In Chipiona steht auch der angeblich grösste Leuchtturm Spaniens. Es ist ein eindrucksvoller Turm mit einem kostenlosen Parkplatz direkt daneben. Ein offenbar privater „Parkwächter“ mit irgendwelchen Abzeichen versucht, die Fahrzeuge auf ein bestimmtes Gelände zu lotsen. Touristenfalle! Der öffentliche Teil des Parkplatzes ist mindestens genauso gut. Auch hier gibt es wieder einen Bilderbuchstrand. Lasst euch Zeit!

Sherry und weisse Dörfer

Auf dem Weg von der Atlantikküste nach Sevilla gibt es zwei Dinge, die zu sehen oder zu schmecken lohnen:

Sherry ist die geschützte Bezeichnung eines andalusischen Weissweins aus der Palomino-Traube, der in einem aufwändigen Prozess zu Sherry veredelt wird. Nur Weine aus dem Städtedreieck Sanlucar de Barrameda – Jerez de la Frontera – El Puerto de Santa Maria dürfen als Sherry bezeichnet werden. Frage hier nach einem Sherry – es ist auf jeden Fall der richtige!

Arcos de la Frontera gilt als der Hauptort der weissen Dörfer. Eine maurisch entstandene Altstadt mit engen Gassen und weissgetünchten Häusern ist diesen Dörfern gemein. Eine reizvolle Landstrassen-Route durch den Süden Andalusiens verbindet die Dörfer. Wir haben uns auch Zahara de la Sierra angesehen, gepflegt und restauriert, mit einer typischen Oberstadt – das Wohnmobil bleibt besser unten. Die maurische Burg, die Kirche und die erhaltenen Teile der Stadtbefestigung sind bezeichnender Weise die einzigen nicht weiss getünchten Bauten.

Sevilla

Sevilla ist die Hauptstadt der Autonomen Region Andalusien. Mit fast 700.000 Einwohnern ist Sevilla ähnlich gross wie Frankfurt, und ähnlich chaotisch ist auch der Verkehr. Die Altstadt ist eine der grössten in Europa. Die Architektur der Altstadt ist insgesamt die grossartigste, die Spanien zu bieten hat. Hier lohnt es sich, einen Zwischenstopp für einen oder mehrere Tage einzulegen.

Ein guter Ausgangspunkt ist der Stellplatz Las Razas an der Av. de las Razas 41, den man sich zwar mit Bussen und LKWs teilen muss, der aber nah der Innenstadt und daher ohne Alternative ist. Von hier bringt einen jeder Bus, der auf der Av. de las Razas oder der Av. De la Palmera in nördlicher Richtung fährt, zur Innenstadt und der Plaza Espana näher.

In Sevilla ist ein Reiseführer hilfreich. Unsere Empfehlung findet ihr rechts. Als Einstieg haben wir uns eine Stadtrundfahrt gegönnt, bei der man an jeder Station aus- oder einsteigen kann.

Da es reichlich Restaurants und Cafes in fast jeder Strasse gibt, ist es sinnlos, der Versuchung zu widerstehen. Wir verbringen also die Siesta in einer der Tapasbars und entscheiden uns, es abends im Wohnmobil bei der kalten Küche zu belassen.

Diesmal ist alles anders

Eine Reise in Zeiten von Corona, die über mehrere Grenzen führt, ist auf jeden Fall anders als sonst. Wir haben vier Apps heruntergeladen, die mit Corona zu tun haben:

  • Die Corona Warn-App des Bundesministers für Gesundheit, die ja inzwischen mehrfach überarbeitet wurde
  • die Luca-App für die Kontaktverfolgung in Deutschland nach Besuchen in Restaurants usw.
  • Die CovPass App für die Staatsgrenzen und für ausländische Behörden, Museen usw.
  • und die Sicher Reisen App des Aussenministeriums für Informationen über Risikogebiete und zur Rückreise

Und natürlich haben wir den gelben Impfpass mit. Soweit zu Corona.

Eine Besonderheit ist diesmal: Wir reisen nicht allein. Wir haben mit Freunden verabredet, dass wir gleichzeitig nach Andalusien fahren und uns an verschiedenen Orten treffen wollen.

Das erste Mal treffen wir „PPM“ – das ist die Abkürzung der Vornamen – auf dem Hinweg in Südfrankreich. Die Cité de Carcassonne ist Weltkulturerbe. In den Restaurants der historischen Altstadt gibt es ein Gericht, das PPM vom früheren Besuchen kennen und das wir probieren wollen: Cassoulet, ein Eintopf, der speziell im südlichen Languedoc zubereitet wird.

Über Geschmack kann man vielleicht streiten, über die südfranzösische Küche nicht. Der Eintopf ist Spitze!

Danach treffen wir uns immer wieder auf Stellplätzen entlang der Mittelmeerküste bis hinunter zum Cabo de Gata. Auch die Sierra Nevada, die Wüste von Tabernas und Ronda besuchen wir gemeinsam. Schliesslich treffen wir PPM in Sevilla wieder. Von da wollen sie durch Portugal zurück in den Norden fahren, während wir noch die spanische Atlantikküste sehen wollen.

Wir treffen auch gerne andere Reisende, manche mehrfach, unterhalten uns, tauschen Erfahrungen aus und erhalten vielleicht Tipps für besonders schöne Stellen.

Und es immer wieder ein Highlight, wenn wir PPM wiedersehen. Es hat dieser Reise eine ganz persönliche Note gegeben.

Die einzige Wüste Europas bei Tabernas in Andalusien

Mit dem Wohnmobil reisen und trotzdem fliegen? Auch das ist anders als sonst: Ute macht die Rückreise per Flugzeug und spart so einige Urlaubstage ein. Sie nimmt einen Direktflug von Malaga, dem Flughafen der Costa del Sol, um rechtzeitig in Hamburg und am Schreibtisch zu sein.

Die Rückfahrt durch die Extremadura, Kastilien und Leon, Galicien, Asturien und das Baskenland ist eine Geschichte für sich. Vielleicht kommt die später auch noch. Einige Fotos, u. a. von Las Medulas, den Goldminen der Römer, sind jetzt schon in den Fotogalerien zu sehen.

Reise-Tipps

  • Wer kann, sollte Andalusien vor dem Sommer besuchen, am besten im Mai und im Juni. Es ist dann warm, aber nicht heiß, in der Landschaft zeigt sich mehr Grün, und die Flüsse führen Wasser. Die Strände sind noch nicht so zugemüllt.
  • Die Atlantik-Strände sind deutlich sauberer und weniger überlaufen als die Mittelmeer-Strände.
  • Touristische Highlights wie die Alhambra, die grossen Kathedralen, der Caminito del Rey und andere müssen einige Tage vorher online gebucht werden. Die Adressen vor der Reise abspeichern! Diese Empfehlung gilt auch nach dem Abklingen der Corona-Pandemie weiter.
  • Die meisten Restaurants ausserhalb der Grossstädte haben abends nicht geöffnet. Wer nicht immer kochen oder Spaghetti essen will, sollte einige Pfannengerichte mitnehmen und ggfs. vor Ort nachkaufen. Auch Tiefkühl-Gerichte halten sich im Gefrierfach mehrere Tage.
  • Nehmt einen Wasserschlauch mit! Es gibt viele kostenlose Stellplätze in Spanien, aber keiner von ihnen hat einen Wasserschlauch.
  • Eine Warntafel für den Fahrradträger oder Gepäckträger ist in Spanien vorgeschrieben.
  • Ein WLAN-Router für’s Wohnmobil mit einer SIM-Karte und Datenflat macht Sinn. Die Empfangsqualität ist fast immer sehr gut, ausser stellenweise in den Bergen, und für die Karten wird viel Traffic-Kapazität gebraucht. Notebooks brauchen mehr Traffic als Smartphones und Tablets. Plant nicht weniger als 3 GB pro Woche ein, eher mehr.
  • Links dazu und Kaufberatung

Stellplatz-Tipp

„Little Texas“, der Stellplatz in der Wüste von Tabernas, ist in vieler Hinsicht herausragend. Wer die Gelegenheit hat, sollte ihn besuchen.

StellplatzLittle Texas
AdresseBD Los Yesos
DS Los Pedregales,
04200 Tabernas
GPS37.095189, -2.288063
Webseite:littletexastabernas.com
GeländeSand, Schotter
UmgebungWüste
Preis18,- inkl. (2021)
Frischwasserja
Stromja
Grauwasserja
Chemietoil.ja
Restaurant3 km
Einkauf5 km

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